Bald beginnt ein neues Abenteuer

«Yeah – jeden Tag Fisch!» Das war die Reaktion unseres Sohnes auf die Ankündigung, dass Papi künftig vor allem daheim ist, während Mami Vollzeit arbeiten geht. Nach sechs Jahren traditioneller Familienidylle wagen wir den Rollentausch.

Wie kam es dazu? Schon bevor wir Kinder hatten, sagte ich zu meiner Frau, dass ich mir, wenn es die Umstände zuliessen, eine vollumfängliche Kinderbetreuung meinerseits durchaus vorstellen könnte. Lange Zeit war dies in unserer Familie dann kein Thema mehr.

Erst kurz bevor unser Sohn letztes Jahr in den Kindergarten kam, rückte bei meiner Frau eine Arbeit ausserhalb der Familie wieder in den Fokus. Schon bald trat meine Frau eine 40-Prozent-Stelle an. Die Betreuung unserer beiden Kinder deckten wir mit den Grosseltern sowie Kindergarten/Spielgruppe ab.

Bald einmal merkten wir, dass wir mit der neuen Situation nicht vollends happy waren, und da kam das Angebot des Arbeitgebers meiner Frau für eine Vollzeitstelle gerade zur richtigen Zeit. Meine Frau wollte daraufhin wissen, ob ein Rollentausch für mich immer noch in Frage käme, da eine hundertprozentige Fremdbetreuung der Kinder keine Option war.

Objektiv betrachtet sprach eigentlich alles für diesen Schritt, aber dennoch zögerte ich: Mit einem «Grundsätzlich ja, aber ...» kamen Gedanken und Fragen auf wie: «Uff, das kommt nun aber rasch! Jetzt gilts ernst. Kann ich das überhaupt? Akzeptieren es die Kinder? Wie reagiert das Umfeld? ...». Wenn man es aber nüchtern betrachtet, macht es Sinn: Wenn meine Frau jetzt die Chance bekommt, wieder voll einzusteigen, möchte ich ihr das ermöglichen.

Die Reaktionen aus dem Umfeld waren – mit wenigen Ausnahmen – positiv. Bestärkt werde ich vor allem von Vätern von bereits erwachsenen Kindern, die begeistert sind und sagen, dass sie es bereuen, den Alltag mit den Kindern damals nicht näher erlebt zu haben.

Abgesehen von der erwähnten Vorfreude auf das neue Wochenmenu haben die Kinder bisher noch nicht wirklich positiv oder negativ auf die bevorstehende Veränderung reagiert. Sie können es einfach nicht einordnen, sie kennen es ja nicht anders.

So ist der Rollentausch für die ganze Familie eine spannende Herausforderung. Ob es der richtige Schritt ist, wird sich zeigen. Aufgrund unserer komfortablen Lage (finanziell und gesundheitlich) können wir uns auf dieses Abenteuer einlassen.

Ich freue mich jeden Tag mehr darauf, den Alltag mit meinen Kindern mit all seinen Facetten intensiver zu erleben. Es ist mir aber bewusst, dass dies nur ein Teil meiner neuen Tätigkeit ist: Putzen, Kochen, Organisieren, Einkaufen etc. werden mich ebenso beanspruchen.

Übrigens: Die Illusion, ich hätte dann mehr Zeit für mich, hat mir meine Frau in den letzten sechs Jahren auf eindrückliche Weise genommen.

Andreas, Hello Family Blogger

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