Erstes Fazit nach sechs Monaten als Hausmann

Nun ist das Abenteuer Rollentausch bereits ein halbes Jahr alt, und als Familie sind wir im neuen Alltag angekommen! Statt Büro und Meetings besteht mein Alltag aus Aktivitäten mit den Kindern, viel Erziehungsarbeit, Aufräumen, Putzen, Einkaufen und allem, was zum Haushalten dazugehört.

Das bestehende Umfeld hat sich grösstenteils daran gewöhnt, dass ich nun zuständig bin fürs Vereinbaren von Spielnachmittagen mit anderen Kindern, Schultermine usw. Ich beobachte jedoch eine gewisse Zurückhaltung von Müttern mir gegenüber – die fehlende Leichtigkeit bei Gesprächen zum Beispiel beim Abholen der Kinder von der Spielgruppe oder wenn es ums Vereinbaren von Spielnachmittagen geht. Da scheint es von Frau zu Frau einfacher zu gehen. 

Neue Bekanntschaften reagieren oft noch sehr erstaunt, wenn ich erzähle, dass meine Frau und ich unsere Rollen so radikal gewechselt haben. Sie finden sehr mutig, was wir machen, können es sich aber für sich selbst nicht vorstellen. Auch wenn sich viele Väter wünschen, sie könnten wenigstens einen Papitag pro Woche erleben, so ist dies oft vom Arbeitgeber her nicht möglich. Oder die Angst, daraus Nachteile zu erleiden, ist zu gross. Manchmal trauen es die Frauen den Männern schlicht auch nicht zu. In vielen Köpfen scheint das traditionelle Rollenbild noch sehr stark verankert.  

In den ersten Wochen und Monaten wollte meine Frau noch viel mehr auf dem Laufenden gehalten werden und mitreden – und im Rahmen einer «Einarbeitung» für mich musste sie dies auch. Nach den Herbstferien jedoch löste sie sich mehr und mehr – und überliess den Teil zuhause mir. Das gibt ihr einen freieren Kopf für ihre Vollzeitstelle und zwischen uns weniger Reibereien. Die Akzeptanz, dass ich es nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders mache, musste erst wachsen. 

Der Vorteil unserer Variante des Systems sehe ich – im Gegensatz zu zwei teilzeitarbeitenden Elternteilen – darin, dass sich meine Frau voll auf ihre Arbeit konzentrieren kann. Und ich grösstenteils den Part zuhause abdecke, so wie sie es mir in den vergangenen Jahren ermöglicht hat. Ich bin beeindruckt, wie andere Elternpaare den Spagat schaffen, voll- oder höher-prozentig Teilzeit zu arbeiten, daneben Kinder und Haushalt zu managen und dazu zeitintensive Hobbies zu pflegen.

Wenn unsere Kinder in Rollenspielen neu Mama zur Arbeit schicken, während Papa zuhause bleibt, sind auch sie definitiv angekommen in unserer neuen Realität. Der Alltag hat sich auch für sie verändert, schon nur deshalb, weil ich anders koche oder die Freizeit anders gestalte als meine Frau dies getan hat.

Apropos Freizeit: Zeit für mich ist nach wie vor Mangelware. Hier sehe ich noch Potenzial und hoffe, dass es mit der gewonnenen Routine sowie der vermehrten Selbständigkeit der Kinder besser wird.

Andreas, Hello Family Blogger

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