Von Wassermelonen und Walen

Während der Schwangerschaft machte ich mir ständig Sorgen. Meine grösste Sorge war selbstverständlich, dass der kleine Mensch, der da in mir heranwuchs, nicht gesund sein könnte. Zum Glück konnten mich die monatlichen Ultraschalluntersuchungen dahingehend immer wieder beruhigen.

An zweiter Stelle war da die Sorge über die Gewichtszunahme. Natürlich wusste ich, dass es absolut normal und gesund ist, während der Schwangerschaft zwölf bis 15 Kilogramm zuzunehmen. Aber ich wusste auch, dass es Frauen gibt, die 30 Kilogramm oder mehr zunehmen und dieses Gewicht nie mehr verlieren.

Ich muss zugeben, gertenschlank war ich schon zu Beginn der ersten Schwangerschaft nicht. Ich hatte das, was man als eine normal-sportliche Figur bezeichnen würde. Und so fragte ich mich, ob ich in der Schwangerschaft 30 Kilogramm zunehmen und als Wal enden würde?

Meine Mama beschwichtige: «Mach dir keine Sorgen, beim Stillen wirst du alles wieder los!» Tatsächlich hatte ich schon bald anderen Kummer. Durch starke Schwangerschaftsübelkeit fiel es mir in den ersten 20 Wochen schwer, überhaupt so viel zuzunehmen, wie ich eigentlich sollte.

Als ich endlich wieder alles essen konnte, merkte ich, dass ich entgegen aller Befürchtungen keine extremen Gelüste auf ungesundes Essen hatte. Klar, ein Glacé täglich musste schon sein im rekordheissen Sommer von 2015. Aber meine wirkliche Essenliebe waren Wassermelonen: Zweimal pro Woche musste der zukünftige Papa Exemplare heim schleppen, die 10 Kilogramm oder mehr wogen. Das Baby im Bauch freute es: Nach meinen Wassermelonenexzessen hörte es gar nicht mehr auf zu strampeln.

Wie dem auch sei: Im letzten Schwangerschaftsdrittel versuchte ich, den Blick auf die Wage zu vermeiden. Ich dachte mir, dass mich der Arzt schon warnen würde, wenn ich zu viel zunähme.

Diese Gewichtskontrollen gibt es übrigens nicht aus purer Boshaftigkeit: Sie sollen eine stetige, langsame Zunahme dokumentieren. Nimmt eine Frau zu viel aufs Mal zu, können Wassereinlagerungen dahinterstecken. Ein Warnsignal für eine Schwangerschaftsvergiftung. Bei mir war das in der letzten Schwangerschaftswoche der Fall. Plötzlich waren da drei Kilogramm mehr auf der Waage, dazu kamen Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, sowie eine schlechte Versorgung durch die Plazenta. Für die Ärzte ein klarer Fall, dass es an der Zeit war für meine Tochter, auf die Welt zu kommen. Und das tat sie dann auch, genau am errechneten Termin.

Als ich diese Kolumne schrieb, meinte der Papa übrigens: «Das ist doch egal, wenn man in der Schwangerschaft wie ein Wal aussieht. Viel wichtiger ist es, das Gewicht danach wieder loszuwerden!»

Ob ich meine Schwangerschaftskilos wieder losgeworden bin, lest ihr in meiner nächsten Kolumne.

Deborah, Hello Family Bloggerin

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