Die schönsten Gutenachtgeschichten für Kinder

Gutenachtgeschichten helfen Kindern, ihre Gedanken schweifen zu lassen und sanft ins Land der Träume zu gleiten. Als festes Einschlafritual kann es Kindern und Eltern die Abendroutine erleichtern und die Fantasie Ihres Schützlings spielerisch anregen.

Balanceakt zwischen Spannung und Entspannung: die Geschichte zum Einschlafen

«Bitte, nur noch eine!»: So oder so ähnlich klingt es, wenn Sie Ihrem Kind eine wirklich spannende Gutenachtgeschichte erzählt haben. Wenn Kinder abends nicht richtig müde werden und auch nach einer Einschlafgeschichte noch wach sind, liegt das unter anderem auch daran, dass sie von Natur aus sehr wissbegierig sind und eine ausgeprägte Neugier haben. Sie möchten einfach gern allem auf den Grund gehen – und das am liebsten sofort. Im besten Fall nehmen Sie sich ruhig diese wertvolle Zeit und sagen: «Na gut, noch eine.»

Auch wenn Ihr Kind Ihnen mit wacher Aufmerksamkeit zuhört, helfen diese Geschichten Ihrem Kind dennoch sehr bei einer Sache: Es geht um das, was Kinder (und auch viele Erwachsene) vom Schlafen abhält: den Gedanken an das Einschlafen selbst. Wach im Bett zu liegen und daran zu denken, nicht einschlafen zu können oder auch: unbedingt einschlafen zu müssen. Das Erzählen einer Geschichte vor dem Schlafengehen soll Kinder – ähnlich wie das Lesen oder auch das Singen von Gutenachtliedern – von genau diesen Gedanken ablenken: Sie sollen sich die Geschichte bildlich vorstellen, werden fantasievoll abgelenkt vom oft selbst erzeugten Druck, jetzt unbedingt schlafen zu müssen und driften so ganz allmählich und entspannt ins Reich der Träume.

Wieso Vorlesen so wichtig ist

Vorlesen hat viele positive Auswirkungen auf Kinder. Es fördert die sprachliche und persönliche Entwicklung, motiviert zum Selbstlesen und trainiert auch die kognitiven Fähigkeiten. Aus diesem Grund sind Buchgeschenke für Kinder oft eine gute Idee, denn so können Eltern aus einer Vielzahl an Büchern und Geschichten wählen und sich damit gemeinsam mit ihren Kindern immer wieder auf neue Abenteuer freuen. Zudem fördert das Vorlesen auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, da sie sich gemeinsam Zeit nehmen und den Alltag ausblenden – fernab von Fernsehen, Smartphone und Co.

Auswahl an Gutenachtgeschichten für Kinder

Mit einer spannenden Gutenachtgeschichte regen Sie also nicht nur die Fantasie Ihrer Kinder an und stärken die Bindung zu Ihnen als Erziehungsberechtigtem, sondern Sie fördern auch die Entwicklung Ihres Schützlings. In unserer Auswahl finden Sie kurze Gutenachtgeschichten, die Ihren Kindern Anregungen für spannende Träume geben.

Es war einmal eine vanillegelbe Zahnbürste. Sie hiess Babette und gehörte einem kleinen Kind. Da dieses leider seine Zähne nicht regelmässig reinigte, war es Babette oft langweilig. Sie beschwerte sich dann jeweils bei ihrem Freund, dem Wasserglas: «Florian hat schon wieder vergessen, seine Beisserchen zu putzen. Stell dir vor, sogar vor dem Schlafengehen hat er mich nicht angerührt.» «Sei doch zufrieden und geniess das Nichtstun und die tolle Aussicht, die wir von hier oben haben», entgegnete das blitzsaubere Glas und reckte sich in der Halterung. «Im Gegensatz zu mir seid ihr zwei beweglich. Ich kann meinen Platz nie verlassen!», brummte der Wasserhahn. «Ich möchte halt ein wenig mehr Abwechslung und werde mich mal im Haus umschauen.» «Tu das nicht!», flehte ihr Freund, das Wasserglas.

Doch Babette war bereits auf den Boden gesprungen und hüpfte vergnügt durch die Wohnung. Durch die Türe zum Treppenhaus, die zufällig offen stand, schlüpfte die Zahnbürste flink in ein geräumiges Atelier im Parterre. Dort stand eine Frau in fleckiger Schürze vor einer Staffelei. Die Künstlerin malte gerade eine dicke Farbschicht auf ein Bild, legte den Pinsel kurz zur Seite und erblickte die vanillegelbe Zahnbürste. «Oh, das gibt schöne Striche!», sagte sie und griff nach Babette. Die Malerin fuhr mit deren Bürstenköpfchen über die frischen Farbkleckse. «Igitt!» Babette war entsetzt, denn ihre Bürste war über und über mit Farbe bedeckt. Blitzschnell floh sie aus der Werkstatt und gelangte in die Waschküche im Untergeschoss. Dort wusch sie sich und legte sich auf den Rand des Spültroges, um zu trocknen. Dabei wurde sie von einem Mädchen entdeckt, das sich dort die schmutzigen Stiefel putzen wollte. Es schnappte sich die Zahnbürste und stocherte mit deren Griff und Köpfchen in den Rillen der Schuhsohle. So liess sich auch der hartnäckigste Schmutz entfernen. Danach warf das Mädchen die Zahnbürste achtlos auf den Boden und lief summend davon. «Scheusslich!» Babette konnte es kaum fassen, sie war überall mit Dreck und Gras bedeckt. Also tauchte sie nochmals unter den eiskalten Wasserstrahl.

Dann hüpfte sie die wenigen Steinstufen ins Kellergewölbe hinunter. Eine Glühbirne baumelte von der niedrigen Decke und spendete karges Licht. Babette tastete sich mutig weiter. Im schummrigen Lampenschein entdeckte sie unheimliche Schatten, die entlang der Mauer huschten. «Mimi, was machst denn du in diesem dunklen Loch?», fragte Babette angewidert, als sie Florians süsse Stoffmaus vor sich sah. Es handelte sich jedoch nicht um ein Stofftier, sondern um eine der fetten, grauen Ratten, die sich in diesem alten Gemäuer tummelten. «Ein Igel!», sagte eine der jungen Ratten erstaunt. Ein Männchen mit zerfetztem Ohr schubste den Kleinen zur Seite und biss mit seinen scharfen Nagezähnen in Babettes Stielende. «Autsch!», schrie diese empört auf und die Ratten stoben fluchtartig auseinander. Die Zahnbürste nutzte die Gelegenheit und rannte so schnell wie möglich wieder zurück in ihr Heim. Atemlos kehrte sie ins Badezimmer zurück. «Wie siehst denn du aus?», rief das Wasserglas. «Warst du im Sandkasten spielen?», meldete sich auch der Wasserhahn. «Lass deine dummen Sprüche und lass lieber das Wasser laufen!», befahl Babette und sprang flink ins Lavabo. Gleich darauf trat eine Frau ins Bad und schüttelte den Kopf: «Florian wird immer bequemer und versorgt nicht mal mehr seine Zahnbürste.» Sie fischte das nasse, vanillegelbe Bürstchen aus dem Lavabo und steckte es ins Glas zurück. Es dauerte nicht lange und Babette schlief müde ein.

Text: Brigitte Jerg

Ist es nur ein Traum? «Langweilig! So langweilig! So stinklangweilig ist es!», tönt es laut aus dem Farbstiftbehälter auf Ekims Pult. «Er hat uns einfach vergessen oder keine Zeit mehr», jammert der Rotstift. «Früher, als Ekim noch nicht zur Schule ging, malte er zusammen mit seiner Grossmutter. Er zeichnete Schlösser, Kirchen, Gärten, Berge, Hotels mit allem Drum und Dran.» «Das waren noch schöne Zeiten», seufzen alle Farbstifte im Chor. «Nur noch dich, Bleistift, benutzt er ab und zu», empört sich der gelbe Stift. «Ihr habt immerhin eine ganze Mine und Spitze», klagt der Bleistift. «Ekim lässt mich oft aus Unachtsamkeit auf den Boden fallen. Das bricht mir die lange Mine in Stücke und immer wieder die Spitze ab, wenn er mich zig Mal durch die Spitzmaschine rattert und ich immer kürzer werde. Und wenn er sich langweilt knabbert er an meinen Holzkanten rum. Autsch!» «Und uns braucht er nur in der Adventszeit», reklamieren Gold- und Silberstift. «Ich habe es einfach satt, wir müssen endlich etwas unternehmen. Wir werden ja nur noch bewegt, wenn Ekims Mutter uns abstaubt», ärgert sich der Blaustift. «Wir reissen aus dieser Langeweile aus», schlägt der Grünstift vor. «Au ja», rufen die Farbstifte durcheinander, «diese Nacht muss es sein!». Der grosse Spielzeugkran, dem es auch langweilig ist, hat den Aufstand der Farben gehört. Er will helfen und hebt die Farben sorgfältig aus ihrem Behälter. Orange, Rosa, Türkis, Violett und Braun drängeln als Erste zum Kran. Der Helikopter oben auf dem Schrank hat auch Verständnis für die Farbstifte. Er lässt seine Rotorblätter drehen und testet seine Batterie. «Alles in Ordnung, es kann losgehen, ich fliege euch aus», bietet er sich an. Dicht zusammengedrängt reisen die Stifte ab, durchs halb geöffnete Fenster in die Nacht hinaus zum grössten Stern, der am hellsten leuchtet. Dort angekommen malen sie eifrig die Muster aus, die der Bleistift gerade vorzeichnet. Gold- und Silberstift umranden am Schluss die Zacken. «Das hat Riesenspass gemacht!», jubeln die Ausflügler. Ihre abgewetzten Spitzen glänzen. Der angemalte Stern strahlt und lacht, schüttelt sich vor Freude über sein neues prächtiges Farbenkleid, denn auch ihm war es langweilig im weissen Einerlei all der Sterne. Er tanzt wie wild im Kreis herum. Er zittert, wackelt wie vom Sturm gerüttelt, schlägt Purzelbäume. Auf einmal passiert es! Er stürzt vom Himmel und fällt als wunderschöne bunte Sternschnuppe ganz sanft in Ekims Traum.

Als Ekim erwacht, scheinen seine Farbstifte im Behälter auf dem Pult etwas mehr als sonst zu leuchten. Der Helikopter steht wie immer auf dem Schrank parkiert und der Kran ... – Vielleicht steht der etwas näher am Pult, als sonst? Hat er das alles geträumt? Ekim klettert aus dem Bett, es ist Sonntagmorgen und er hat auf einmal Lust zu malen. Er legt ein weisses Papier aufs Pult und benützt fleissig all seine Farbstifte. So entsteht der schönste bunte Stern, den er je gemalt hat. Er ist für seine Mutter, die ihm immer so schöne Gutenachtgeschichten erzählt. Sorgfältig schneidet er ihn aus und legt den Stern auf den Frühstückstisch. Seither hängt und leuchtet er das ganze Jahr über als Winter-, Frühlings-, Sommer- und Herbst- und Weihnachtsstern am Küchenfenster und alle erfreuen sich an seiner Farbenpracht.

Text: Christa Jaberg

Der ist für mich, bitte, bitte Oma!», ruft Gina ganz aufgeregt. Gina drängt sich nach vorne, stellt sich auf die Zehenspitzen und streckt ihrer Oma ihre kleinen schokoverschmierten Hände entgegen. «Natürlich, mein Spatz! Ich hab mir schon gedacht, dass er dir gefallen wird!», entgegnet die Oma lächelnd und überreicht ihrer jüngsten Enkelin den Luftballon.

So schnell sie kann, rennt Gina davon und versteckt sich auf dem Hochsitz des Kletterturms. Dass da niemand ist, weiss sie ganz genau. Die ganze Verwandtschaft sitzt an den Tischen und schreibt fleissig ihre Namen und Adressen auf die vorbereiteten Postkarten für den Luftballon-Wettbewerb.

An Omas Geburtstag steigt jedes Jahr eine riesige Gartenparty und immer freuen sich alle auf die Überraschung. In diesem Jahr ist es der Luftballon-Weitstrecken-Wettbewerb. Oben angekommen, öffnet Gina vorsichtig ihre Faust, der Ballon windet und streckt sich nach allen Seiten, bis er schliesslich ganz ruhig liegen bleibt. Mit seiner kräftigen Farbe leuchtet der Ballon so fest, wie wenn drinnen ein Lämpchen brennen würde. Die fünf grossen, silbernen Punkte darauf erinnern Gina an glitzernde Vollmonde! Tja, eigentlich hat Gina noch nie mehr als einen Vollmond gesehen. «Du bist wunderschön», strahlt sie ihren Ballon an und küsst ihn auf alle Punkte. «Hihi, hihi, das kitzelt. Aufhören, hihi! » fiepst plötzlich eine feine leise Stimme. Text: Yvonne Dmitriev-Schmocker Ginas Lächeln verschwindet in Nullkommanichts und macht Platz für ihre vor Schreck weit aufgerissenen Augen und den runden, offenen Mund. Hastig schaut sie umher und sucht nach dem Besitzer der Stimme. Das ist bestimmt Albi-Adlerauge, denkt sie. Wie der Blitz ist sie auf den Beinen, den Ballon hält sie wieder fest umschlossen in der Faust der linken Hand. Sie kontrolliert den ganzen Turm, bei der Leiter, bei der Rutsche und beim Geländer. Sie fühlt sich wie die Herrin auf einem Burgfried. Gina hat die ganze Situation im Griff – da ist nämlich niemand. Albi-Adlerauge heisst eigentlich Alberto und er ist ihr Cousin. Weil er sich aber überall einmischt und allen Kindern die Streiche vermiest, ist er eben nicht so beliebt unter den Kindern. Klar, dass sie sofort diesen Spion verdächtigt hat.

«Au, drück mich doch nicht so fest! Ausserdem spüre ich schon den Angstschweiss in deiner Hand!», hört sie schon wieder dieses Stimmchen rufen. Verblüfft öffnet sie ihre Faust und starrt den Ballon an. «Was guckst du denn so? Gerade eben war ich noch so schön und schon willst du mich zu Staub zerreiben?» Es klingt schon ein bisschen wie ein Schimpfen. Ginas Kinn klappt nach unten, wo es auch bleibt. Nach einer halben Ewigkeit hat sie sich wieder gefasst und ihr Erstaunen weicht allmählich einem Lächeln. «Ja, hallo. Du kannst sprechen? Super!» Vor lauter Freude schreit sie schon fast. «Ja selbstverständlich, was denkst du denn? Du kannst ja auch sprechen! Ausserdem bin ich heilfroh, dass ich dir ein bisschen Dampf machen kann, du würdest mit deiner Schwärmerei doch glatt den Wettbewerb verpassen!» Schon wieder ist Gina erst mal nur baff. Wieder ganz leise meint sie nur: «Ach so. Du möchtest also mit den anderen Luftballons um die Wette fliegen?» «Klar doch und wie!», quietscht der leuchtende Ballon vor Aufregung. Gina will gerade losrennen, da spürt sie ein Zwicken in der Hand. «Au, was machst du denn?» fragt sie empört. «Ich muss dir noch was sagen», wispert der Ballon. «Drei Dinge musst du ganz genau so machen, wie ich es dir sage, dann komme ich ganz bestimmt zu dir zurück!» – «Echt? Bist du ein Zauberballon?», fragt Gina mit gedämpfter, doch erwartungsvoller Stimme. In diesem Moment glitzert der Luftballon wie ein Diamant in der Sonne und leuchtet kurz auf, bevor er beginnt: «Erstens: Male mir ein Gesicht auf einen meiner Silberpunkte auf! Lachen will ich! Weisst du, lachen ist lustig, ich will immer lachen, hihi. Zweitens: Nicht zu viel Gas in meinen Bauch füllen! Meine Punkte spannen sonst so unangenehm, wie eine zu kleine Hose. Drittens: Mach die Schnur mit fünf Knoten an mir fest! Der erste Knoten bringt viel Wind, der zweite lässt die Sonne scheinen, der dritte weist den Regen ab, der vierte ruft eine Wolke, falls ich müde bin, und der fünfte ruft ein Vögelchen, falls ich in Not gerate.» Gina spitzt ganz gebannt die Ohren, langsam aber sicher ist sie verwirrt. «Träume ich eigentlich oder sitze ich vielleicht mitten in einem Märchenbuch?», fragt sie sich im Stillen. Plötzlich werden ihre Gedanken durch ein lautes Klatschen unterbrochen. Gina rafft sich auf und sieht, dass sich bereits die ganze Familie im Kreis aufgestellt hat. Alle – ausser Gina – sind bereit für den WettbewerbsStart. «Halt, halt!», schreit sie. Gina klettert so schnell sie kann vom Turm herunter und rennt zu ihrer Grossmutter. «Bitte, bitte Oma, warte ganz schnell. Ich bin gleich soweit!» Sie holt einen Stift und malt ein wunderschönes Gesicht auf einen der Punkte. Während ihre Mutter den Ballon mit Gas auffüllt, sieht sie plötzlich, wie ihr ein Luftballon-Auge zuzwinkert. Gina versteht sofort, was das bedeutet und stupst ihre Mama an: «Das ist schon genug, Mama.» Jetzt rennt sie schnell zum Tisch mit den Schnüren und Postkarten. Bei jedem Knoten denkt sie an die Worte ihres Zauberballons. Die Postkarte hat ihre Mama zum Glück schon vorbereitet; schnell ist auch diese noch festgemacht. Nun ist ebenfalls Gina soweit.

«Tschüss, mein neuer Freund. Pass gut auf dich auf und komm bitte wieder zurück!», flüstert Gina. Der Luftballon leuchtet wieder, dieses Mal war die Farbe noch intensiver als zuvor. Die Triangel wird angeschlagen, alle jubeln, johlen, lachen und lassen ihre Ballone steigen. Gerade als Gina auch ihren Luftballon loslassen will, hört sie ganz leise: «Küss mich bitte und bis bald. »Gina drückt ein zartes Küsschen auf den lachenden Ballonmund und lässt auch ihn mit dem Wind tanzen. Gina winkt und winkt, bis ihre Arme schmerzen. Dann klettert sie wieder auf den Turm und schaut ihrem Ballon so lange nach, bis er mit einem letzten silbernen Aufblitzen am Horizont verschwindet. Von nun an denkt Gina jeden Tag an ihren Luftballon mit den silbernen Punkten. «Ob er wirklich wieder kommt?», fragt sie sich täglich. Es sind schon mehr als vier Monate vergangen; einige ihrer Verwandten haben ihre Postkarten schon zurück erhalten. Marias Ballon hat es bis nach Deutschland geschafft. Aber das ist gar nichts. Der von Colomba wurde in Slowenien gefunden und Matteo hat nun neue Brieffreunde aus Bulgarien. Exakt fünf Monate nach Omas Geburtstagsfest liegt ein Briefumschlag neben Ginas Teller, als sie vom Kindergarten nach Hause kommt. Gina stockt der Atem, sie weiss genau, was das ist! «Jupiiiii, er ist wieder da!». Vor Freude tanzt sie um ihren Stuhl herum. Nicht die arabischen Schriftzeichen auf dem Umschlag machen sie überglücklich. Nein, diese kräftige Farbe, die durch das durchscheinende Couvert leuchtet, lassen ihr die Freudentränen in die Augen steigen. Sie hat ihn wieder, mit den Silberpunkten und dieser unbeschreiblichen Farbe, dieses leuchtende ...

Text: Yvonne Dmitriev-Schmocker

Draussen war es bereits dunkel. Zeit für Marina und Julien, ins Bett zu gehen. Doch die beiden Kinder konnten nicht schlafen, denn sie hatten einen aufregenden Tag erlebt. Zum ersten Mal durften sie auf einem Pony reiten; das war vielleicht ein Abenteuer! Plötzlich ging die Schlafzimmertüre einen Spalt auf und herein spazierte Mauzi, ihr schwarzer Kater. Er liebte es, auf dem Bett der Kinder die Nacht zu verbringen.

Langsam kehrte Ruhe ins Kinderzimmer ein. Doch plötzlich gab es einen lauten Knacks aus der linken Ecke des Schlafzimmers. Die beiden versuchten, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Was war das? Es sah aus wie eine weiss-schimmernde Kugel, die sich auf und ab bewegte. Und jetzt kam dieses Ding auch noch langsam auf sie zugeflogen! Als die weiss-glitzernde Kugel nah genug war, konnten Julien und Marina etwas erkennen, das wie ein kleines Mädchen mit Flügeln aussah. Julien fragte: «Wer bist du und was machst du in unserem Zimmer?» Das eigenartige Menschlein mit Flügeln antwortete mit einer glockenhellen Stimme: «Ich bin Lily, eine kleine Elfe, und ich brauche dringendst eure Hilfe!» - «Ich weiss nicht, ob wir dir jetzt helfen können, denn eigentlich müssen wir jetzt schlafen, sonst kommt Mami und schimpft mit uns», sagte Julien. Lily aber meinte: «Das ist ausgezeichnet, denn ihr könnt mir nur im Schlaf helfen.» Schnell begann Lily zu erzählen: «Ich komme aus dem Naturwesenreich, kann aber durch Zeitfenster reisen, um in eure Welt zu gelangen, wo ich dann für gewisse Menschen, besonders für die Kinder, sichtbar bin. Aber wenn die Kinder älter werden, verlieren die meisten das Sehen und wir werden dann unsichtbar für sie, was uns sehr traurig macht, denn wir sind gerne im Kontakt mit den Menschenwesen. Nun wurde vor Kurzem ein wunderschönes Einhorn mit Namen Bling-Bling im Naturwesenreich geboren. Ich hatte den Auftrag erhalten, Bling-Bling zu begleiten, damit ihm nichts geschieht. Denn wisst, wir Elfen sind so etwas wie Schutzengel für die Pflanzen und die Tiere. Nun geschah es jedoch, dass Bling-Bling beim Herumtollen in die Nähe eines Zeitfensters kam, welches wie ein Kreis aussieht und bläulich-violett schimmert. Durch dieses Fenster können wir in andere Dimensionen reisen. Bling-Bling ist einfach durch dieses Fenster gesprungen und in eurer Welt gelandet. Aber da die Menschen nicht mehr an Einhörner glauben, ist BlingBling nun in einem Zwischenreich gefangen. Es kann nicht mehr zurück, da sich das Fenster geschlossen hat. Bling-Bling ist noch klein und hätte gar nicht durch dieses Zeitloch springen dürfen. Ihr müsst unbedingt mit mir durch so ein Zeitfenster ins Naturwesenreich reisen, um zur Elfenkönigin zu gehen, denn wenn Menschen die Königin sehen, verschwinden wieder ein paar Schleier, die unsere Welt von eurer Welt verdecken und das Zeitfenster würde sich somit für Bling-Bling wieder öffnen, damit er nach Hause zurückkehren kann. Aber es kann nur in dieser Nacht geschehen, da sich die Erde dreht und somit auch die Zeitfenster verschoben werden.» Alle – auch Mauzi – hatten gespannt zugehört. Sie entschieden sich sofort, Lily und Bling-Bling zu helfen. Damit es schneller ging, hatte Lily ein Säcklein Traumpulver mitgebracht. Sobald das Pulver, das wie Sternenstaub glitzerte, ihre Augen berührte, fielen sie sofort in einen tiefen Schlaf. Jetzt konnten sie mit ihrem Traumkörper aus dem schlafenden Körper aussteigen und Lily durch das geöffnete Schlafzimmerfenster nach draussen folgen. Auch Mauzi hopste vom Bett und sprang ihnen nach.

Nun ging alles ganz schnell. Durch Gedankenkraft reisten sie durch das Zeitfenster zur Elfenkönigin und somit konnte Lily Bling-Bling wieder zurückholen. Nach vielen Freudentränen und Umarmungen verabschiedeten sich die Kinder und Mauzi von allen und wurden von Lily wieder nach Hause gebracht. Dort stiegen sie in ihre schlafenden Körper und fielen in einen tiefen, glückseligen Schlaf. Lily lächelte und kehrte wieder in ihr Reich zurück.

Text: Daniela Weber

So, jetzt komm doch endlich mit mir in den Garten spielen!» Es war Jannis, der dies zu seinem grossen Teddybär Max sagte, der gelangweilt ins Kinderzimmer starrte. Der kleine Teddybär Filu, der neben Max sass, war hell begeistert und schrie voller Freude: «Ja, wir kommen!» Aber der grosse Teddy Max schüttelte nur sein braunes Haupt und brummte: «Ich mag nicht. Und draussen ist es kalt und der Wind bläst und…»

«Ach, immer hast du die gleiche Ausrede. Ich zeig dir mal, wie schön es heute draussen ist», meinte Jannis, nahm die beiden Teddybären unter den Arm und rannte in die Stube ans Fenster. Wirklich, die Sonne schien. Ja, es war wohl Winter, aber im Garten strahlte der Schneemann in den kalten, aber trockenen Wintertag hinaus. Jannis lockte seinen grossen Teddybär Max: «Schau mal, der Schneemann hätte sicher auch Freude, wenn wir mit ihm spielen würden.» «Ich mag nicht!», knurrte Max, und der kleine Teddy Filu schüttelte den Kopf ob so viel Faulheit.

Der Schneemann hatte die drei am Fenster inzwischen auch erblickt und winkte ihnen mit seinem Besen, sodass ihm fast seine grosse, rote Rüeblinase herunterfiel: «Kommt doch auch heraus an die Sonne.» Aber der grosse Teddybär schüttelte seinen Kopf. Jannis öffnete das Fenster und rief dem Schneemann zu: «Max will einfach nicht spielen kommen. Es ist ihm zu kalt draussen.» Der Schneemann rief: «Dann komm ich ihn halt einfach holen!» Er riss seine schneeweissen Schuhe vom Boden los und stapfte mit schweren Schritten zur Balkontüre hinüber. Dort steckte er seinen Besen in den Schnee und klopfte an die Türe. «Der Schneemann kommt, der Schneemann kommt! Hallo, lieber Schneemann», riefen Jannis und Filu begeistert. Aber Teddy Max knurrte nur etwas Unverständliches, als der Schneemann seine Schuhe sauber klopfte und in die Stube trat. «Ihr habt aber schon recht warm hier.

Es wäre doch besser, wenn ihr nach draussen kommen würdet, das ist viel gesünder!» Teddy Max aber schüttelte seinen Kopf: «Ich mag nicht und damit basta! »Der Schneemann aber lachte: «Warte nur, wir werden das bald ändern!» Er zog aus seinem Hosensack einen goldenen Zauberstab, den er in der Luft herumschwenkte, und murmelte einen Zauberspruch. Und plötzlich gefror das Wasser in den beiden Blumenvasen, das Feuer im Ofen erlosch und Teddy Max und der kleine Filu begannen zu frieren. Die Blumen in der Vase waren bald von Eiskristallen bedeckt und der Boden glich einer Eisbahn. Der Schneemann lachte übers ganze Gesicht und meinte zu Teddy Max: «Wenn du nicht frieren willst, dann musst du dich jetzt anziehen und mit uns nach draussen kommen!» Jannis jubelte, zog sich eine warme Daunenjacke an, Teddybär Max erhielt einen warmen, wollenen Schal um den Hals, und der kleine Filu freute sich göttlich über sein rotes Halstuch, das bald im leichten Wind flatterte. Teddy Max brummte missmutig: «Ja nun, dann gehen wir halt spielen.» Jannis holte sich seinen Schlitten aus dem Keller, der Schneemann fasste seinen Besen wieder und zusammen trotteten sie in den weissen Garten.

«Halt, ich muss noch schnell etwas machen», rief der Schneemann und eilte zurück zur Balkontüre. Er nahm den goldenen Zauberstab aus seinem Hosensack und murmelte einen Zauberspruch. Sofort wurde in der Stube das Wasser in der Blumenvase wieder flüssig, das Feuer im Ofen begann wieder lustig zu brennen und der gefrorene Stubenboden war im Nu wieder trocken. «Fast hätte ich vergessen, den Frost wieder wegzuzaubern», lachte der Schneemann. Der grosse Teddybär Max aber schüttelte seinen braunen Kopf und jetzt lachte auch er: «Ihr habt mich aber schön erwischt. Bin ich aber jetzt schon draussen, dann komme ich auch mit euch Schlitten fahren.» Jannis, der kleine Teddy Filu und der Schneemann freuten sich, dass der grosse Teddybär endlich nicht mehr so gelangweilt in seiner Zimmerecke hockte.

Text: Heinz Hodel

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