Am Computer lernen immer wichtiger

In vielen Schweizer Kinderzimmern steht bereits ein Computer. Doch in der Schule werden moderne, computerbasierte Unterrichtsformen noch nicht überall eingesetzt. Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag zum selbstständigen Lernen.

Computer im Alltag unverzichtbar

In den meisten Schulen der Schweiz sind Computer ein von Lehrern und Schülern selbstverständlich genutztes Lerninstrument.

Computer gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Studien zeigen, dass die neuen Medien in der Freizeit von Schulkindern eine sehr wichtige Rolle spielen. Laut dem Bundesamt für Statistik (BfS) nutzen fast 70 Prozent der 15-Jährigen mehrmals in der Woche einen Computer. Für Jugendliche ist der PC sogar wichtiger als der Fernseher. Ein Leben ohne das World Wide Web ist für sie unvorstellbar. Sie nutzen das Internet, um mit Freunden zu chatten und sich in sozialen Netzwerken auszutauschen, Online-Games zu spielen oder nach Informationen für den Unterricht zu suchen.

Computer in der Schule helfen beim Lernen

Auch an den Schweizer Schulen ist der PC nicht mehr aus dem Unterricht wegzudenken. 99 Prozent der Sekundarstufen I besitzen die nötige Infrastruktur, damit die Schüler Computer nutzen können. 

In der Primarschule spielen die neuen Medien auch in der Projektwoche eine wichtige Rolle. Die Schüler haben zum Beispiel die Möglichkeit, sich mit Digitalfotografie zu beschäftigen und ihre selbst geschossenen Bilder mithilfe eines Computerprogramms zu bearbeiten. In Fächern wie Französisch, Deutsch, Mathematik oder in den Naturwissenschaften arbeiten die Kinder und Jugendlichen mit Lernsoftware. Auch im Kindergarten, der Logopädie und der schulischen Heilpädagogik kommen mittlerweile PC-Programme zum Einsatz.

Lernen am PC: Was bringt es?

Doch sind Computer in der Schule überhaupt sinnvoll? Um diese Frage zu beantworten, hat der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) das Institut für Medien und Schule der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz-Schwyz damit beauftragt, entsprechende Studien durchzuführen. Deren Ergebnisse zeigten, dass Computer die Unterrichtsqualität steigern und Lernergebnisse verbessern können. Die Kinder arbeiten gerne mit Computern und dem Internet. Setzt man die neuen Medien im offenen Unterricht ein, haben die Schüler die Möglichkeit, sich den Lernstoff selbstständig anzueignen. Dabei lernen sie nicht nur den Umgang mit dem Computer, sondern sie erwerben auch Medienkompetenz.

Viele Lehrer nutzen die neuen Möglichkeiten nicht

Lehrer sind sich dahingehend einig, dass PCs an der Schule eine wichtige Ergänzung sind. Trotzdem setzen sie viele nur selten im Unterricht ein. Neben der Unterrichtsvorbereitung bleibt oft keine Zeit, sich in die Thematik einzuarbeiten und den Unterrichtsstoff so aufzubereiten, dass die Schüler ihn am Computer bearbeiten können. Laut Studien sind Aus- und Weiterbildung sowie umfassende Beratung wichtig, damit Lehrer die neuen Medien tatsächlich im Unterricht verwenden.

In Kantonen, in denen es Leitlinien für die Computernutzung in der Schule gibt und die Lehrer entsprechende Unterstützung bekommen, werden digitale Medien selbstverständlicher im Unterricht eingesetzt. Klar formulierte Zielsetzungen, die von der gesamten Lehrerschaft getragen werden, helfen ebenfalls, die Mediennutzung an Schulen zu erhöhen.

Lernen am Computer auch in Zukunft wichtig

Computer und Internet werden in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der Schule spielen. In einer Studie wurden 50 Experten aus dem deutschsprachigen Raum befragt, wie sie die Rolle der neuen Medien im Unterricht in der Zukunft beurteilen. Nach Meinung der Befragten wird die Bedeutung von Computern und Co. in der Zukunft noch zunehmen. Gleichzeitig werden die Schüler noch heterogener werden, was die Schule vor neue Herausforderungen stellt. In diesem Zusammenhang lässt sich das Lernen flexibler gestalten und besser auf die einzelnen Schüler zuschneiden. Experten sind sich einig, dass die Lehrpersonen für die Nutzung neuer Medien unverzichtbar sind.


Wie sinnvoll sind Computer für die Bildung und Entwicklung von Kindern?

Im Gespräch mit Professor Dr. Dominik Petko, Leiter Forschung und Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz-Schwyz.

Wie sinnvoll ist Ihrer Ansicht nach der Einsatz von Computern als Lerninstrumente in Schulhäusern und Kinderzimmern?

Dominik Petko: Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist kaum möglich. Es kommt immer darauf an, wie man die Computer einsetzt. Diese sind ein sehr vielseitiges Werkzeug mit unzähligen Möglichkeiten. So gibt es gute und schlechte Lernsoftware. Im Zentrum sollte immer das Lernziel stehen. Dann gilt es, das beste Medium mit dem grössten Mehrwert dafür auszuwählen. Computer können allerdings nicht nur einen Mehrwert bieten, sie sind auch deshalb wichtig, weil sie zu unserer Kultur gehören. Deshalb erstaunt es nicht, dass Kinder sich für diese virtuelle Welt interessieren.

Immer mehr Schulen setzen den Computer im Unterricht ein. Doch wie erfolgreich kommen die Rechner an den Schulen tatsächlich zum Einsatz?

Über 80 Prozent der Lehrpersonen nutzen den Computer gelegentlich im Unterricht. Dabei dominieren in der Primarschule vor allem die Lernprogramme und Spiele; später kommen auch Lehrerpräsentationen und Textverarbeitung hinzu. Viele Lehrpersonen verwenden den Computer, wie er im Alltag am gängigsten eingesetzt wird, aber leider nicht so, wie es am besten wäre. Sie nutzen nicht die vollen Möglichkeiten der Computer aus. Hier besteht noch Potenzial, denken wir etwa an den Umgang mit Bild, Ton und Video. So lassen sich die Resultate einer Gruppenarbeit auch mit Video dokumentieren; persönliche Portfolios können auf Weblogs geführt und Gruppenarbeiten gemeinsam verfasst werden. Auffällig ist auch, dass an den Schulen selten über Medien und Computer reflektiert wird. Warum macht man sich so wenig Gedanken darüber, wie die neuen Medien die Welt verändern? Das sind meiner Ansicht nach wichtige Aufgaben der Schulen und Eltern. Hier braucht es noch einiges an Aufklärungsarbeit.

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