Abschied von der Windel

Der Abschied von der Windel fällt Mädchen generell leichter als Jungen. Eine «richtigen» Zeitpunkt für den Wechsel aufs Töpfchen gibt es aber nicht.

Ab wann aufs Töpfchen?

Kinder setzen selbst Signale, ab wann sie aufs Töpchen gehen wollen.

Im zweiten Lebensjahr kann das Kind durch die Ausreifung des Rückenmarks seine volle Blase spüren, aber noch nicht kontrollieren. Es merkt aber langsam, dass etwas «in die Hose» gegangen ist. Mit 24 bis 48 Monaten können die meisten Kinder tagsüber den Urin bewusst zurückhalten. Die nächtliche Blasenkontrolle gelingt durchschnittlich erst ein halbes Jahr später als das Trockenbleiben tagsüber. Die Sauberkeit beim Stuhlgang geht dagegen oft schon deutlich früher. Im Alter von sechs Jahren ist schliesslich die Blasenkontrolle komplett ausgereift und das bewusste «Pipimachen» möglich.

Eltern können ihr Kind dabei unterstützen und es zur Selbständigkeit ermuntern. Das wichtigste Hilfsmittel ist eine grosse Gelassenheit auf Ihrer Seite. Bei kleinen Pannen in der Anfangszeit sollten Sie lieber schweigen als Enttäuschung zu zeigen oder gar zu schimpfen. Achten Sie auf praktische Kleidung, die Ihr Kind im Fall eines Missgeschicks selbst ausziehen kann.


Bettnässen: Ursachen und Therapiemöglichkeiten

Wenn Kinder nachts ins Bett machen, sind die meisten Eltern beunruhigt. Das ist nicht nötig.

Kleinkindalter

Bettnässen ist eine der häufigsten Störungen im Kindesalter. Zwar geht das Bettnässen in absehbarer Zeit bei vielen Kindern von alleine vorbei, in dieser schwierigen Zeit braucht das Kind jedoch viel Zuspruch und Unterstützung von der Familie, damit die Phase ohne Schuldgefühle und Angst gemeistert werden kann.

Zunächst sollten betroffene Eltern mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen, um einen Mangel des antidiuretischen Hormons oder andere organische Ursachen auszuschliessen. Sollte ein Hormonmangel festgestellt werden, können Hormonpräparate verschrieben werden. Der Kinderarzt kann auch saugfähige Unterwäsche für die Nacht empfehlen. Diese können dem Kind ein Gefühl von Sicherheit geben, das Selbstbewusstsein stärken und den Stressfaktor Bettnässen für die ganze Familie entschärfen.

Ältere Kinder

Wenn Schulkinder in der Nacht das Bett nässen, wird dies in der Fachsprache als Enuresis nocturna bezeichnet.

20 Prozent der Fünfjährigen und einer von zehn Schulanfängern nässen nachts ein. «Dahinter steckt meist eine Reifungsverzögerung, denn die Spontanheilungsrate ist mit 15 Prozent pro Jahr hoch», sagt Dr. med. Jean-Claude Wetzel, Kinderarzt aus Wetzikon.

Was sind die Ursachen?

In etwa 80 Prozent der Fälle leiden Bettnässer unter einem Symptom, das vererbt werden kann, der primären, monosymptomatischen Enuresis nocturna. Diese Kinder waren nachts nie länger als sechs Monate trocken, haben tagsüber aber keine Probleme. Häufig sind sie nur schwer wach zu kriegen. Es wird vermutet, dass hier die Blasenfunktion erst mit Verspätung ausreift. Eine weitere mögliche Störung ist ein Mangel des antidiuretischen Hormons Vasopressin (angekürzt ADH).

Die restlichen 20 Prozent leiden unter der sekundären Enuresis, das heisst dem plötzlichen Wiederauftreten des Bettnässens nach einer langen «Trockenphase». Hier spielen psychische Ursachen eine wichtige Rolle.

Welche Therapieformen gibt es?

Heute gibt es die medikamentöse Behandlung, die in 60 bis 70 Prozent der Fälle innert vier bis sechs Monaten zur ersehnten nächtlichen Trockenheit führen kann. Das Medikament ersetzt das körpereigene Hormon ADH, das in ungenügender Menge ausgeschüttet wird.

Mit sogenannten «Weckapparaten» versucht man, die Blasenkontrolle zu trainieren. Der Weckapparat wird nachts angewendet. Er löst beim ersten Tropfen in der Hose einen Alarm aus, der das Kind aufweckt. Der Weckapparat übernimmt damit eine Funktion, die bei den meisten natürlich geschieht.

Die Komplementär-Medizin stellt auch Behandlungsformen wie Homöopathie und Akupunktur zur Verfügung. Hier sind keine genaueren statistischen Zahlen bekannt.

Durch die Therapie werden Betroffene meist schneller trocken als wenn sie einfach zuwarten, dass das Problem von alleine verschwindet. Therapien können deshalb auch belastenden psychischen Verhaltensänderungen vorbeugen.

Tipps für den Umgang mit dem Thema Bettnässen

Genauso wie es verschiedene Formen von Bettnässen gibt, gibt es auch verschiedene Behandlungsmethoden. Welche Methode bei wem sinnvoll eingesetzt wird, kann nur ein Arzt entscheiden, nachdem er eine detaillierte Diagnose erstellt hat. Der erste Schritt zur Besserung ist deshalb ein Arztbesuch. Auf gar keinen Fall sollte man mit betroffenen Kindern schimpfen.

  • Sprechen Sie zunächst ganz offen mit Ihrem Kind über das Bettnässen. Machen Sie ihm klar, dass viele Kinder darunter leiden und es mit diesem Problem nicht alleine ist.
  • Loben Sie es, für eine trockene Nacht wie auch für andere Dinge, und geben Sie ihm Zuspruch bei erlittenen Rückschlägen.
  • Hilfreich ist das Führen eines Kalenders, in dem die trockenen Nächte eingetragen werden, damit das Kind ein Bewusstsein für die Problematik entwickelt.

Ursachen der Enuresis nocturna

Unter Bettnässen bzw. Enuresis nocturna, wie der medizinische Fachausdruck dafür ist, versteht man das Einnässen des Kindes im Schlaf nach Vollendung des fünften Lebensjahres. Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Enuresis:

Primäre Enuresis: Primäre Enuresis hat häufig mit der körperlichen Reifung zu tun, denn Kinder haben oft noch nicht gelernt, die volle Blase im Schlaf als solche wahrzunehmen. Diese Form des Bettnässens kann auch familiär gehäuft auftreten und hat vermutlich genetische Ursachen. Ein häufiger Grund für Bettnässen ist ein Defizit des antidiuretischen Hormons (ADH), das für Drosselung der Harnproduktion während der Nachtstunden verantwortlich ist. Ein Mangel dieses Botenstoffes führt dazu, dass in der Nacht zuviel Harn produziert wird.

Sekundäre Enuresis: Bei der sekundären Enuresis spielen psychische Ursachen eine grosse Rolle. Nässt ein Kind wieder ein, nachdem es lange trocken war, sind oft unerwartete Veränderungen im Leben des Kindes die Ursache. Dies kann die Geburt eines Geschwisterkindes, der Verlust eines Familienmitgliedes, ein Trennungserlebnis oder ein Umzug sein.  


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