Wie viel Zärtlichkeit braucht ein Kind?

Jedes Kind braucht Nähe und Zuwendung, zuallererst von seinen Eltern. Es braucht sie, um sich wahrgenommen und geliebt zu fühlen. Zärtlichkeit ist ein Teil dieser Zuwendung.

Körperliche Nähe signalisiert dem Baby, dass es wahrgenommen wird.

Für Babys ist die körperliche Nähe zentral, da sie der einzige Weg ist, ihnen Liebe zu geben. Je älter Kinder werden, desto vielfältiger werden auch die Möglichkeiten, ihnen Zuneigung zu zeigen. Der Wunsch nach körperlicher Nähe, nach Kuscheln und Berührung, ist bei allen Menschen unterschiedlich – auch bei Kindern. Ihre Kinder werden Ihnen deutlich zeigen, was sie mögen und was nicht.

Ruhigere Kinder suchen und geniessen die Nähe öfter, während es aktivere Kinder in der Regel nicht lange auf dem Arm oder dem Schoss aushalten. Auch wenn Sie sich persönlich vielleicht nach Streicheleinheiten Ihres Kindes sehnen, sollten Sie nichts erzwingen. Ihre Aufgabe ist es primär zu beobachten, was Ihre Kinder brauchen und wollen und sich darauf einzustellen. Denn auch wer kein «Schosskind» ist, wünscht sich Nähe und Zuwendung, aber eben auf eine andere Weise. Vielleicht wird ein solches Kind eher auf wilde Spiele und gemeinsame Aktivitäten ansprechen und dadurch die Bindung zu den Eltern stärken.

Oft fehlt Eltern die Zeit oder die Geduld, auf die Signale ihrer Kinder einzugehen. Nicht immer können oder wollen Eltern dem Kind die gesuchte Nähe geben. Meist ist es der Alltagsstress, welcher diese Gabe hemmt. Und wenn dann Kinder Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit fordern, ist es für die Eltern vielleicht der falsche Zeitpunkt – und die Kinder werden abgewiesen und auf später vertröstet.

Gelegentliche Zurückweisungen sind kein Drama,

sie gehören zum Leben und zu den Erfahrungen, die ein Heranwachsender machen muss. Verweigern Eltern ihrem Kind aber häufig Nähe und Zärtlichkeit, ist das problematisch. Denn Kinder können auf Zuwendung und Zuneigung nicht verzichten. Sie werden darum womöglich nach Menschen suchen, die ihnen mehr geben als ihre Eltern. Leider ist dabei aber nicht auszuschliessen, dass das Kind dabei auch an einen Menschen geraten kann, der selbst bedürftig ist und sich nach Zuneigung sehnt – und die Gefahr könnte dann bestehen, dass das Kind plötzlich ausgenutzt oder im schlimmsten Fall sogar missbraucht wird.

Wenn Sie als Eltern im Alltag zu wenig Gelegenheit finden, um sich auf Ihre Kinder einzulassen, ist es wichtig, dass Sie sich bewusst die Zeit nehmen, Ihrem Kind die geforderte Zuwendung und Anerkennung zu geben. Die Stunde nach dem Essen, ein Vorlese-Ritual, ein regelmässiger Ausflug in den Wald – das können die Momente sein, in denen es zärtlich zugeht und das Bedürfnis des Kindes nach Nähe gestillt wird.

Andererseits gibt es auch seitens der Erwachsenen immer wieder Zuneigungsbekundungen, die Kinder gar nicht schätzen. Die Vorstellungen von Zärtlichkeit und die Wünsche danach verändern sich im Laufe der kindlichen Entwicklung ständig. Was Kleine mögen, kann Grösseren unangenehm werden und ihnen peinlich sein. Sie sollten Ihr Kind nicht zu Zuneigungsbekundungen gegenüber Dritten drängen oder das heranwachsende Kind gegen seinen Willen in der Öffentlichkeit herzen und auf den Schoss nehmen. Für viele Eltern mag eine Zurückweisung in solch einer Situation verletzend sein. Sie sollten aber die Zurückhaltung respektieren, auch wenn ihr eigener Wunsch nach Nähe darunter leidet. Denn jedes Kind muss selbst bestimmen und ausdrücken dürfen, wo seine Grenzen sind.

Wie viel Zärtlichkeit Ihre Kinder brauchen, lässt sich also nicht generell beantworten. Sie als Eltern werden aber spüren, was Ihr Kind braucht.


swissmom und Hello Family

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