Teenie zu sein ist wie eine Fahrt auf der Achterbahn – ohne Sicherheitsbügel und mit gelegentlichem Drang, die Bahn zu verlassen. Für Eltern ist es, als würde man versuchen, einen übermütigen Tintenfisch zu trainieren: Sie tauchen ab, entgleiten und gelegentlich schlagen sie mit den Tentakeln um sich. Sie hören nicht zu, gehen auf Distanz und suchen dann doch wieder Nähe.
Als Teenie sieht die Welt oft aus wie ein riesiger Spielplatz, allerdings ohne klar erkennbare Spielregeln. Heute sind die Freund:innen das Zentrum der Welt, morgen sind sie unerträglich. Ein Tag lang ist man unbesiegbar und rockt die Schule, am nächsten würde man am liebsten unsichtbar sein und sich im Lieblingshoodie unter der Decke verkriechen. Es fühlt sich an, als wäre das Leben selbst ein ständiges «Vielleicht», ein Glimmen zwischen «Alles ist möglich» und «Niemand versteht mich».
Es gibt viele Höhen und erste Male. Der Stolz, wenn man das erste Mal allein mit dem Tram fährt, auch wenn man fünf Stationen zu früh aussteigt, weil der Mut plötzlich schwindet. Momente, in denen die Welt zum Greifen nah scheint, voller Möglichkeiten und Abenteuer. Der erste Freund oder die erste Freundin, erste Küsse, erste Erfolgserlebnisse, wenn die Lehrperson den eigenen Aufsatz so umwerfend findet und der Klasse vorliest. Das erste Mal allein shoppen gehen. Die ersten Ferien ohne Eltern. Das erste selbst verdiente Geld.
Und so ziemlich gleichzeitig sind da auch Tiefen. Die Pickel, die einen so offensichtlich entstellen, dass man glaubt, alle Augen seien darauf gerichtet. Die Lehrperson, die einen unerwartet aufruft, um eine Frage zu beantworten, die man nur für rhetorisch hielt. Eltern, die plötzlich nichts mehr verstehen, zumindest nicht auf Anhieb, und die so tun, als könnten sie nachvollziehen, wie es ist, ein Teenie zu sein (und ja, sie wissen es). Herzen, die gebrochen wurden, Gruppen, aus denen man ausgeschlossen zu sein scheint. Und dann diese ganze Social-Media-Scheinwelt, die einem immer wieder unter die Nase reibt, wie schön es die anderen haben. Die Laune des Teenies ist fragil und kann innert Minuten kippen, und niemand weiss warum. Auch der Teenie nicht.
In dieser Phase ist es für Eltern oft schwer, die Balance zu finden zwischen Unterstützung und dem notwendigen Abstand, um dem Teenie Raum für eigene Entscheidungen zu lassen. Hier hilft (hart erarbeiteter) Humor – und das Wissen, dass diese Phase irgendwann vergeht. Augen auf (zu wäre nicht gut) und durch. Wir müssen viel Verständnis aufbringen, ein offenes Ohr haben und innere Ruhe bewahren, wenn der Teenie gerade noch fröhlich durch die Wohnung wuselte und einen dann plötzlich böse anblitzt und nur schon unser Atmen nervt. Damit wir selbst diese Ruhe finden, ist es auch ganz wichtig, dass wir zu uns selbst schauen und Dinge tun, die UNS guttun, um bei Kräften zu bleiben.
Kleine Gesten können da manchmal helfen und zeigen «Ich bin da, alles ist gut». Wir können einfach mal so dem Teenie das Lieblingsessen kochen, wenn wir merken, dass der Tag hart war. Wir können die jungen Menschen bis in den Nachmittag schlafen lassen und zwischendurch mal fragen, wie es ihnen geht. Und nicht betupft sein, wenn keine Antwort kommt (die kommt meistens dann sehr ausführlich, wenn man gerade keine Zeit hat). Wir können einfach da sein. Wir sollten signalisieren, dass sie jederzeit zu uns kommen können. Wir sind der sichere Hafen. Sie die Schiffe. Sie ziehen los aufs Meer, geraten manchmal durch wilde Stürme und fahren dann entmutigt, zerzaust und mit kaputtem Mast wieder heim. Und da stehen dann wir, am Ufer schon winkend und helfen, das Schiff wieder klar Schiff zu machen für die nächste Fahrt.
Kurz gesagt: Es ist nicht einfach. Weder für die Kinder noch die Eltern. Und es fehlt manchmal an gegenseitigem Verständnis, dass beide, die Kinder sowie auch die Eltern, in ihren eigenen Leben vieles stemmen müssen. Doch wir Eltern können das vielleicht noch ein wenig besser. Wir können unsere Sachen eher mal schnell ruhen lassen und einfach zuhören. Denn das ist letztlich das Wichtigste. Der Teenie muss wissen, dass wir da sind. Dass wir zuhören und Verständnis haben, dass wir geduldig sind und ihnen helfen, wenn sie uns brauchen. Sie aber auch leben lassen und uns zeitweise zurückziehen.
In zehn Jahren wird der Teenie vermutlich lächeln und sagen: «Ach, ihr wart ja gar nicht so schlimm.» Und wir werden denken «Ach, es war schlimm, aber es ging tatsächlich vorbei». Und wenn sich dann noch alle lieb haben, dann haben wir schon sehr viel richtig gemacht.