Fremdeln

Fast jedes Kind kommt in die Phase, in der es fremden Menschen mit grosser Vorsicht, Skepsis oder sogar Angst begegnet. Meist ist die Mutter in dieser Phase die einzige Bezugsperson, was viel Einsatz von ihr erfordert. Entwicklungspsychologisch ist das Fremdeln ein wichtiger Schritt.

Wann beginnen Kinder zu fremdeln?

Ungefähr zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat beginnen Babys damit, zu fremdeln. War auch Ihr Kind vorher in jeder Situation ein aufgeschlossener und strahlender Sonnenschein, nun aber begegnet es fremden Menschen mit einem skeptischen und misstrauischen Blick – manchmal sogar dem eigenen Papa oder den Grosseltern? Sie als Mutter werden zum rettenden Hafen, der Schutz verspricht. Oft verstecken sich Kinder dann hinter Mamas Beinen, strecken flehend die Arme nach oben oder vergraben ihren Kopf in Mamas Schoss.

Wie ausgeprägt ein Baby fremdelt, ist von Kind zu Kind verschieden. Die einen fremdeln stärker, die anderen weniger. Die einen weinen und schreien, die anderen drehen lediglich eingeschüchtert den Kopf weg oder blicken andere Menschen argwöhnisch an. Auch die Dauer dieser Entwicklungsphase ist unterschiedlich: Im zweiten und dritten Lebensjahr äussert sich das Fremdeln normalerweise stärker, klingt jedoch spätestens zum Ende des dritten Lebensjahrs allmählich ab. Ab dann treten die Kinder wieder selbstsicherer auf. Dies geht oft einher mit der Fähigkeit, sich sprachlich besser zu artikulieren und gewünschtes sowie ungewünschtes Verhalten des Gegenübers benennen zu können.

Warum fremdeln Babys überhaupt?

Wenn Ihr Kind fremdelt, stellt dies einen grossen entwicklungspsychologischen Schritt dar. Es ist nämlich ein Zeichen dafür, dass Ihr Kind beginnt, bekannte von unbekannten Gesichtern zu unterscheiden sowie Gesichtszüge wiederzuerkennen – oder eben nicht. Zudem zeugt das Verhalten von einer guten und sicheren Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Nachwuchs. Oft tritt das Phänomen nämlich ein, sobald Ihr Kind die ersten eigenständigen Versuche unternimmt, seine Umwelt zu erkunden. In Ihrer Person findet Ihr kleiner Liebling jedoch immer einen Zufluchtsort und einen sicheren Hafen, wenn die Situation einmal brenzlig wird. Das zeugt von grossem Vertrauen zu Ihnen.

Oftmals reagieren Babys auf Männer stärker ablehnend als auf Frauen, und auf Erwachsene stärker als auf Kinder. Die markanten Gesichtszüge und die Körpergrösse dürften in diesen Fällen die entscheidenden Impulse sein.

Sowohl der individuelle Charakter als auch weitere Faktoren beeinflussen zudem, wie stark Kinder fremdeln: So sind Kinder in der Regel offener gegenüber Fremden, wenn die eigene Bezugsperson – meist die Mutter – auch offen auf diese Personen reagiert. Darüber hinaus hängt die Ausprägung mit den eigenen Erfahrungen sowie der aktuellen Gemütslage zusammen.

So reagieren Sie richtig, wenn Ihr Baby fremdelt

Ist Ihr Kind in der Fremdel-Phase, kann es für Sie als Mutter schon mal anstrengend werden. Als wichtigster Bezugspunkt ist Ihr Nachwuchs stets an Ihrer Seite. Daher fallen Ihnen als Beschützerin die folgenden wichtigen Aufgaben zu, wenn Ihr Kind fremdelt:

  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes unbedingt ernst.
  • Bieten Sie Ihrem Kind einen Zufluchtsort. Nehmen Sie es beispielsweise auf den Arm, sollte es zu sehr fremdeln.
  • Fühlt sich Ihr Kind insgesamt geborgen, wohl und sicher, wird oftmals die Neugierde geweckt. Es zeigt fremden Personen gegenüber dann von ganz alleine mehr Interesse und nähert sich ihnen unbefangener.
  • Erklären Sie Menschen, dass sich Ihr Kind gerade in dieser Phase befindet. Gerade wenn Ihr Kind einmal gegenüber eigentlich vertrauten Personen fremdelt, beispielsweise den eigenen Grosseltern, führt dies sonst schlimmstenfalls zu Missverständnissen.
  • Sorgen Sie dafür, dass sich fremde Personen Ihrem Kind nicht zu schnell, laut und fordernd nähern, denn Fremdeln ist häufig eine Reaktion auf ein zu forsches Auftreten. 
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