Was ist Baby-led Weaning?

Seit einiger Zeit setzt sich ein neuer Ernährungstrend für Babys durch: Beim Baby-led Weaning verzichten Eltern darauf, ihr Kind mit Breien zu füttern. Stattdessen sollen sie sich selbst ihre Mahlzeiten aus diversem Fingerfood auswählen und entscheiden, wie viel sie davon essen möchten.

Baby-led Weaning: Was bedeutet das?

Unter Baby-led Weaning (BLW) versteht man eine Beikosteinführung oder Muttermilchentwöhnung, bei der das Baby Tempo, Lebensmittel und Menge selbst bestimmt (baby-led = vom Baby bestimmt). Entwickelt in Grossbritannien, setzt sich die BLW-Methode auch hierzulande immer mehr durch. Ziel ist es, dass Babys nach und nach lernen, eigenständig zu essen, Lebensmittel entdecken, ein eigenes Sättigungsgefühl entwickeln sowie individuelle Vorlieben kennenlernen.

Anstatt Ihr Baby mit Breien zu füttern, bieten Sie ihm eine Auswahl an Häppchen an. Es entscheidet selbst, ob und wie viel es davon isst. Dadurch soll die selbstständige Nahrungsaufnahme der Kleinen gefördert werden. Um den Nährstoffbedarf zu decken, stillen Sie Ihr Baby weiterhin. Das passiert so lange, bis es aus eigenem Antrieb genügend feste Nahrung zu sich nimmt.

Ab wann eignet sich Baby-led Weaning?

Ungefähr zur selben Zeit wie die klassische Beikost in Form von Breien führen Sie auch die BLW-Methode ein, also ab dem fünften oder sechsten Lebensmonat. Die Umstellung verläuft fliessend, da Ihr Baby immer noch gestillt wird. Ab wann Baby-led Weaning für ein Baby geeignet ist, hängt zudem von seiner individuellen Entwicklung ab:

  • Ihr Baby sollte aufrecht auf einem Hochstuhl oder Ihrem Schoss sitzen können, damit es sich beim Essen nicht verschluckt. Ausserdem sollte es den Kopf alleine halten können.
  • Ihr Baby sollte Lebensmittel mit der Faust oder dem Pinzetten-Griff greifen und eigenständig in den Mund schieben können.
  • Der Zungenstreckreflex sollte nicht mehr vorhanden sein, da Babys die Nahrung sonst wieder aus dem Mund schieben.
  • Ihr Baby sollte Interesse an Lebensmitteln zeigen, zum Beispiel indem es auf den Familientisch greift oder Kaubewegungen imitiert.

Wie funktioniert die BLW-Methode?

Der Anfang von Baby-led Weaning sieht so aus: Sie lassen Ihr Kind im Hochstühlchen einfach am Familienessen teilhaben. Mit der Zeit wird es sich von allein etwas von Ihrem Teller nehmen und die Handlungen nachahmen, die es bei Ihnen gesehen hat.

Von nun an bereiten Sie ihrem Kind mundgerechte und griffige Mahlzeiten vor. Bieten Sie Ihrem Kind das Fingerfood lediglich an und schieben Sie ihm niemals etwas in den Mund. Es soll selbst entscheiden, wann es bereit ist, etwas zu essen und wie lange das dauert. Das Füttern entfällt vollständig. Sie sind lediglich Teilnehmer am Familientisch und greifen nicht ein.

Wichtig ist es, dass sich Ihr Kind vollständig auf das Essen konzentriert und nicht durch Fernseher, Radio oder Spielzeug abgelenkt wird. Zudem sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind nicht zu müde oder zu hungrig ist, da es sich sonst nicht auf das Essen einlassen kann.

Was kommt auf den Tisch?

Beim Baby-led Weaning kommt alles auf den Tisch, was für die kleinen Hände gut greifbar ist und sich mit der zahnlosen Kauleiste zerkleinern lässt. Weiches Gemüse und Obst, griffige Teigwaren und sogar Chäs oder gekochtes Poulet eignen sich für Babys erste eigenständige Essversuche. Mittlerweile gibt es sogar zahlreiche Rezepte für Backwaren und ganze Gerichte für Baby-led Weaning. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt; Hauptsache, das Fingerfood für Babys ist gesund. Folgende Lebensmittel und Gewürze sollten dennoch vermieden werden.

  • zu viel Salz und zugesetzter Zucker
  • scharfe Gewürze
  • Nüsse, Oliven und andere kleine Lebensmittel, an denen sich Ihr Kind leicht verschlucken kann
  • Thunfisch und Meeresfrüchte
  • Honig
  • weiche Eier

Kritik an der BLW-Methode

Nicht überall trifft Baby-led Weaning auf Begeisterung: So warnen manche Kinderärzte sogar vor der Methode. Da Babys vor allem anfangs nur kleine Mengen essen, wären sie nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, und das könnte zu diversen Mangelerscheinungen führen. Ausserdem seien viele Kinder in ihrer Entwicklung noch nicht dazu in der Lage, die kleinen Häppchen zu greifen und selbstständig zum Mund zu führen. Auch die Gefahr, dass sie sich verschlucken, sei vergleichsweise gross.

Befürworter der BLW-Methode widersprechen: Da Mütter ihre Babys weiterhin stillten, würden sie eine ausreichende Nährstoffzufuhr sicherstellen und damit Mangelerscheinungen vorbeugen. Zudem fördere das eigenständige Essen die Hand-Augen-Koordination. Babys machten nach und nach Fortschritte und lernten schnell, selbstständig zu essen. Zudem bekämen sie ein natürliches Gefühl für Sättigung. Erste Studien legen nahe, dass Babys, die mit Baby-led Weaning aufwachsen, ein geringeres Risiko haben, als Kind übergewichtig zu sein.

Wahrscheinlich liegt der optimale Weg irgendwo in der Mitte: Ist Ihr Kind in der Entwicklung noch nicht so weit, selbstständig zu essen, sollten Sie nicht auf Breikost verzichten, um den Nährstoffbedarf ausreichend zu decken. Mit zunehmender Eigeninitiative können Sie Ihrem Kind die Essensentscheidung ein Stück weit selbst überlassen. So lernt es, selbstständig zu sein und auf den eigenen Körper zu hören.

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