Die zweite Woche

Das Leben zu Hause spielt sich so langsam ein. Noch ist alles ziemlich neu, und als frischgebackene Eltern müssen Sie sich in dieser Rolle erst zurechtfinden.

Mutter und Kind brauchen Ruhe und gemeinsame Zeit, um sich im neuen Familienleben einzufinden.

Neben der Organisation des Haushalts muss nun neu auch das Baby betreut werden. Besprechen Sie schon vor der Geburt mit Ihrem Partner, wer welche Aufgaben übernimmt. Sicher gibt es zudem Angebote von Freunden oder Verwandten, Ihnen zu helfen. Das sollten Sie auf jeden Fall annehmen! Denn das Baby beansprucht Sie vor allem in den ersten Wochen voll und ganz. Und wenn es Ihnen eine kurze Pause gönnt, sollten Sie auch ein Nickerchen einschalten. Wenn Ihr Baby nach den Mahlzeiten satt ist oder eine sanfte Stimme hört, lächelt es gelegentlich schon. Dieses «Engelslächeln» erfolgt noch ganz unbewusst und gar nicht zielgerichtet – aber es verstärkt unsere Zuneigung und weckt den Beschützerinstinkt.

Saugen und Händchenkauen sind zur Zeit seine Hauptaktivitäten. Ganz deutlich ist der angeborene Greifreflex zu erkennen: Berührt man die Handfläche des Babys mit dem Zeigefinger, dann schliessen sich alle Finger und der Daumen um ihn und halten ihn so fest, dass man das Kind daran hochziehen könnte. Verloren geht hingegen der «Laufreflex»: Wird es auf die Füsse gestellt, sackt es zusammen.

In Rückenlage legt das Baby den Kopf auf die Seite. In Bauchlage versucht es, ihn für einen Moment anzuheben und auf die Seite zu legen. Die Arme und Beine werden noch unkoordiniert und ruckartig bewegt. Bis zum Ende des Monats gewinnt es mehr Kontrolle über seine Muskulatur und die Bewegungen werden fliessender. Erschrecken Sie nicht, wenn Ihr Baby ein wenig schielt. Auch das gibt sich in der Regel, wenn die Augenmuskeln koordinierter arbeiten. Das Baby kann schon wenige Kehlkopflaute unwillkürlich hervorbringen und beunruhigt manchmal die Eltern durch schnorchelnde Atemgeräusche, vor allem nachts. Das ist durch einen zu weichen Kehlkopfdeckel bedingt und harmlos.

Wenn Sie Ihr Kind stillen,

wird es in dieser Woche spätestens die ersten Schwierigkeiten geben. Weil viele Babys ständig nach der Brust verlangen und gleich nach dem Stillen schon wieder schreien, interpretieren die Eltern dies als Zeichen für ungestillten Hunger. Doch Babys nehmen sich das, was sie brauchen, und es sind eher die zu ruhigen Babys, die zu wenig bekommen. In den ersten drei Wochen gilt achtmal Stillen pro 24 Stunden als normaler Durchschnitt. Lassen Sie sich auf keinen Fall entmutigen, sondern suchen Sie Hilfe bei einer Hebamme, Still- oder Mütterberaterin. Schreien hat nicht immer etwas mit Hunger zu tun. Wenn Sie Ihr Baby anlegen und merken, dass es gar nicht trinkt, sondern nur nuckeln will, sollten Sie es anders beruhigen. Sonst wird Ihre Brustwarze wund. Bieten Sie ihm lieber einen Nuggi an oder beschäftigen Sie sich liebevoll mit ihm. Bald haben Sie schon ein gutes Gefühl dafür, was Ihr Baby Ihnen mitteilen will. Wenn Ihr Baby Koliken hat, hilft es ihm vielleicht, wenn Sie es im Fliegergriff (mit seinem Bauch auf Ihrer Hand) herumtragen.

Überhaupt brauchen Sie jetzt viel Ruhe

und eine gewisse Regelmässigkeit der Abläufe. Auch wenn sicher alle Ihre Freunde und Verwandte das Baby und Sie besuchen wollen – besser wäre es, damit noch ein paar Tage zu warten. Machen Sie es dann zur Bedingung, dass alle Besucher etwas zu Ihrer Entlastung mitbringen: einen Auflauf, einen Kuchen, eine Thermoskanne Tee!

Sofern sich die Mütter- und Väterberaterin Ihrer Gemeinde noch nicht bei Ihnen gemeldet hat, nehmen Sie doch mit ihr Kontakt auf. Sie bietet unentgeltliche Beratung und Begleitung von Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern an. Sehr wahrscheinlich haben Sie die Adresse von Ihrer Geburtsklinik erhalten, sonst erfahren Sie sie von Ihrer Gemeindeverwaltung oder finden sie auf der Homepage www.muetterberatung.ch.

Noch eine wichtige Information: Gewöhnen Sie sich jetzt schon an, Ihr Baby nie unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Es ist zwar ungewöhnlich, dass ein Neugeborenes schon vom Wickeltisch fällt oder vom Elternbett rollt – aber unmöglich ist es nicht. Wenn Sie aus dieser einfachen Massnahme eine Selbstverständlichkeit machen, werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten nicht von einem plötzlichen Mobilitätsschub überrascht. Und das kann Ihrem Baby möglicherweise das Leben retten.  


swissmom und Hello Family

Der Hello Family Familienratgeber wurde in Zusammenarbeit mit swissmom erstellt – dem Informationsportal rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt & Baby.

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