Das Leben ist bunt: Patchwork-Familien

Patchwork-Familie – das klingt nach dem, was es ist: Flickarbeit. Aus bunt zusammengewürfelten Mitgliedern mehrerer Familien ein harmonisches Ganzes zu erschaffen, kann bisweilen schwierig sein – doch es lohnt sich! Mit welchen Herausforderungen kämpfen Patchwork-Familien, und was kann helfen?

Was ist eine Patchwork-Familie?

Viele kennen die bunten Patchwork-Decken und -Teppiche, die aus vielen unterschiedlichen Stoffstücken zusammengenäht sind. Auch wenn die Flicken oft völlig unterschiedlich aussehen, ergeben alle zusammen meist ein harmonisches Bild. Eine Patchwork-Familie folgt demselben Prinzip: Mütter, Väter und Kinder aus unterschiedlichen Familien werden zu einer neuen Familie «zusammengeflickt». Die möglichen Konstellationen sind dabei schier endlos. Und anders als bei den farbenfrohen Flickenteppichen ist es bei Patchwork-Familien oft gar nicht so einfach, ein harmonisches Gesamtbild zu erschaffen.

Aller Anfang ist schwer: Der Start als Patchwork-Familie

Gerade im Kindergarten- oder Vorschulalter glauben Kinder häufig, dass sie selbst an der Trennung der Eltern schuld sind, weil Mutter oder Vater sie nicht lieben. Damit Kinder sich auf die neue Lebenssituation und damit auch auf ein Leben in der Patchwork-Familie besser einlassen können, müssen sie erfahren, dass die Eltern sie unabhängig von der eigenen Beziehung lieben.

Bei Kindern im Schulalter wiederum ist oft das Verhältnis zu den neuen Lebensgefährten der Eltern besonders konfliktbeladen. Es droht Eifersucht, wenn Mama oder Papa der neuen Person Aufmerksamkeit schenkt; insbesondere Teenager akzeptieren neue Partner oft nicht als Autoritätsperson. Es gibt aber auch Patchwork-Familien, in denen das Gegenteil der Fall ist – doch selbst dann kann Gefühlswirrwarr entstehen. So könnte sich z. B. ein Kind, das sich gut mit dem neuen Partner der Mutter versteht, Sorgen machen, dass es damit seinen leiblichen Vater hintergeht.

Es kann das Verhältnis entspannen, wenn neue Lebensgefährten eine lockere Freundschaft zu den Kindern aufbauen, anstatt Mutter oder Vater ersetzen zu wollen. Es ist zudem nicht ratsam, die Kinder mit dem neuen Partner zu überrumpeln – z. B. indem er direkt bei der Familie einzieht. Eine Kennenlernphase mit gemeinsamen Unternehmungen ist in der Regel ein angenehmerer Start in das Leben als Patchwork-Familie.

Konkurrenzkämpfe in Patchwork-Familien

In vielen Patchwork-Familien kommt es zu Konkurrenzkämpfen. Haben beide Partner Kinder aus früheren Beziehungen oder bekommen sie gemeinsamen Nachwuchs, müssen sich die Kleinen plötzlich mit Stief- oder Halbgeschwistern arrangieren. Wenn es zwischen ihnen Streit gibt, geraten häufig sogar die Erwachsenen aneinander – z. B. wenn sie jeweils zu ihren eigenen Kindern halten.

Auch zwischen Ex-Partnern kommt es häufig zu Konkurrenzverhalten; etwa wenn sie sich gegenseitig damit übertreffen wollen, was sie ihren Kindern bieten oder die Erziehungsstile sich unterscheiden. In solchen Fällen ist es wichtig, dass die zugrundeliegenden Konflikte zwischen den Eltern gelöst werden. Sind die Fronten verhärtet, kann der Patchwork-Familie eine Beratung durch einen Familientherapeuten helfen.

Wer ist wann mit wem wo?

Nicht zuletzt haben die meisten Patchwork-Familien handfeste Planungsschwierigkeiten. Regelmässigkeit tut Kindern wie Erwachsenen gut – doch lässt sie sich im turbulenten Alltag einer Patchwork-Familie nicht immer verwirklichen. Leben die Eltern weit voneinander entfernt, verschärft sich das Problem noch, z. B. durch unterschiedliche Ferienzeiten. Optimal ist es, wenn die Ex-Partner bereit sind, die Verantwortung für die Kinder zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Patchwork-Familien brauchen Zeit zum Zusammenwachsen

Ein harmonisches Zusammenleben als Patchwork-Familie lässt sich nicht erzwingen. Der oberste Grundsatz lautet deshalb: Zusammenwachsen braucht Zeit. Wenn die Mitglieder der Patchwork-Familie sich diese Zeit nehmen und achtsam miteinander umgehen, stehen die Chancen gut, dass aus dem bunten Durcheinander ein einzigartiges Gesamtwerk wird.

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