Der zehnte Monat

Das Baby schaukelt jetzt auf allen Vieren, ohne dabei umzufallen und erkennt seinen Namen. Viele Kinder sind im Alter von zehn Monaten sehr auf die Mutter fixiert und fremdeln.

Zehn Monate alte Kinder gehen gerne auf Entdeckungsreise.

Ganz alleine setzt sich Ihr Kind nun schon aus der Bauchlage auf. Aus der Rückenlage gelingt dies zunächst nur, wenn es sich an Möbeln oder am Bettgitter festhalten kann. An der Hand oder durch eigenes Festhalten an Möbelstücken kann es schon für eine kurze Weile stehen. Mit dieser Unterstützung gelingt es auch, sich aus dem Sitz ganz zum Stehen hochzuziehen.

Es trainiert immer noch fleissig das Krabbeln.

Manche Babys sind darin schon sehr, sehr schnell – Achtung! Babys krabbeln auch gerne auf Treppenstufen, was ein sehr gutes Training für die Koordination ihrer Muskeln ist. Aber Sie sollten immer in der Nähe sein und eingreifen können. Bei soviel Bewegungsdrang ist ein Laufstall gelegentlich praktisch, denn so kann die Mutter andere Tätigkeiten ausführen und weiss das Baby in sicherer Obhut. Aber: Bremsen Sie den wachsenden Entdeckungsdrang Ihres Kindes nicht allzu oft mit einem Laufstall. Als Hilfsmittel ist er sicher sinnvoll, aber nicht als Dauereinrichtung. Wichtig ist, dass im nahen Umfeld genügend Spielzeug vorhanden ist. In Sichtweite (ausserhalb des Laufstalls) sollten Sie hingegen weniger platzieren, weil so Ihr Kind permanent Spielzeug vor Augen hat, an das es nicht heran kommt und das frustriert!

Sie sollten bei der Auswahl des Spielzeugs bedenken, dass nicht alle Dinge für das Kind nur Spiel bedeuten, sondern dass Spiele und die Erforschung von Gegenständen auch wichtige Lernprozesse in der Entwicklung Ihres Babys darstellen. Durch die aktive Beschäftigung mit Gegenständen lernt es unter anderem zwischen rau und glatt, warm und kalt, hart und weich, fest und beweglich zu unterscheiden.

Ihr Baby liebt «Finger-Food».

Es möchte am liebsten ständig aus der Hand essen. Dabei können Sie beobachten, dass es eine Hand schon häufiger gebraucht als die andere. Es greift routiniert im «Pinzettengriff» also mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger. Es hilft beim An- und Ausziehen mit, möchte den Löffel beim Füttern und die Tasse beim Trinken halten.

Loben Sie Ihr Kind häufig, denn es beginnt langsam zu verstehen, was Lob und Anerkennung bedeutet. Das können Sie an seinen nachahmenden Gesten und Lauten erkennen. Seinen Namen sollte jedes Baby mit zehn Monaten erkennen können, d.h. sich umschauen, wenn man nach ihm ruft. Es spielt gerne Verstecken und in die Hände klatschen. Sehr beliebt: Um die Ecke verschwinden und schnell wieder zum Mami kriechen. Damit probiert es die ersten Schritte zur Unabhängigkeit – wird aber durch die nun erkennbare Trennungsangst auch wieder gehemmt.

Nach den ersten Lebenswochen

schenkte Ihr Baby eigentlich jedem Menschen ein Lächeln. Mit sieben Monaten kamen erste unwillige Momente, das Baby selektierte. Mit zehn Monaten hat Ihr Baby nun den Höhepunkt der Fremdeln-Phase erreicht. Es akzeptiert nicht mehr jeden, will eigentlich nur noch seine Eltern und eine kleine ausgewählte Schar um sich herum. Manchmal reduziert ein Baby sogar all seine Wünsche, sein Sinnen und Trachten auf eine Person, nämlich die Mutter. Nur schon wenn diese den Raum verlässt, fängt es an zu brüllen. Es kann sehr unangenehm sein, wenn sogar die Grosseltern von dem geliebten Enkel nicht mehr akzeptiert werden. Dieses Verhalten des Kindes hat meistens etwas mit Angst zu tun. Spätestens in dieser Phase wird Ihrem Nachwuchs nämlich immer intensiver klar, dass es ein eigenständiges Wesen ist, und Eigenständigkeit macht Angst. Da wird die Mutter als am nächsten stehende Bezugsperson sehr wichtig. Jede Trennung wird ängstlich beobachtet, und Angst manifestiert sich bei einem Kind, das noch nicht sprechen kann, in der Regel durch Schreien und Weinen. Zwingen Sie Ihr Kind nie, sich von anderen berühren oder gar auf den Arm nehmen zu lassen, denn dadurch erreichen Sie nur das Gegenteil. Sie sollten stattdessen das Kind beruhigen. Mit der Zeit begreift es, dass Sie immer wieder zu ihm zurückkehren, seine Angst also unbegründet ist. Es wird wieder Vertrauen zu anderen Personen entwickeln. Wichtig ist auch, dass Ihr Partner sich nicht zurückgesetzt fühlt und diesen Prozess versteht, denn viele Babys lehnen in dieser Phase sogar den Vater ab.

Das «Fremdeln» ist natürlich seltener, kaum vorhanden oder zu einem anderen Zeitpunkt auffälliger, wenn Sie das Kind frühzeitig von einer Tagesmutter betreuen lassen oder es in eine Kinderkrippe geben, weil Sie wieder berufstätig sind. Auch die Gewöhnung an Babysitter sollte so früh wie möglich erfolgen – sinnvollerweise vor dieser mehr oder weniger stark bei jedem Baby auftretenden Phase. Denn sonst sind Sie monatelang abhängig, weil das Baby Sie nicht weggehen lassen will und den Babysitter nicht akzeptiert.

Dies ist auch die schwierigste Zeit für Reisen mit dem Baby. Es braucht mehr als bisher seine gewohnte Umgebung und Routine im Tagesablauf. Besonders wichtig sind dann Lieblingsspielzeug, Kuscheltier, Schmusedecke und oft auch der Nuggi.


swissmom und Hello Family

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