Es gibt Kinder, die malen schon im Alter von zwei Jahren die Nägel der Eltern akkurat mit Kindernagellack an. Oder solche, die mit drei Jahren bereits Gurken in feine Rädchen schneiden. Und dann gibt es andere Kinder – wie mich zum Beispiel – die erst in der zweiten Klasse richtig schneiden lernen. Ich behaupte, dass vieles mit Veranlagung und den Interessen des Kindes zu tun hat. Ist es mit seinen Fingern geschickt, hat es eine gute Hand-Augen-Koordination, wird es sich auch mehr für feinmotorische Tätigkeiten interessieren. Als Mama von drei sehr unterschiedlichen Kindern kann ich aber sagen, dass sich die Feinmotorik immer unterstützen lässt. Egal wie begabt – oder unbegabt – das Kind ist.
Dabei gab es ja etwas, das meine Kinder sehr gerne machten und ihre Feinmotorik wunderbar förderte: Sie halfen mir gerne beim Kochen und Backen. Abwiegen, zermatschen, schälen, schneiden, einfüllen, umrühren, ausstechen. Das alles sind wunderbare Übungen für kleine Kinder. Nicht immer liess ich sie gewähren, bei den Grossen hatte ich weder die Zeit noch die Nerven dafür. Das Chaos danach war schliesslich riesig.
Bei meinem dritten Kind versuchte ich die Feinmotorik auf andere Art und Weise zu fördern. Zwar war er tatsächlich ein Kind, das gerne bastelte. Er konnte auch mal eine Stunde lang bunte Kugeln, Nudeln, Samen oder Glitzer in Salzteig stecken und baute bunte Dinosaurier aus Knete. Auch das Schneiden kam ganz von allein. Immer wieder schnappte er sich die Schere und versuchte alle möglichen Materialien zu schneiden. Zum Glück hatte er beim eigenen T-Shirt keinen Erfolg. Vielmehr bezog ich ihn aktiv in den Haushalt ein. Liess ihn das Waschmittel abmessen, mir einen Kaffee machen oder die Rüebli für den Salat schälen. So ist er nun mit seinen knapp vier Jahren feinmotorisch mehr als bereit für den Kindergarteneintritt.
Wichtig ist, die feinmotorische Entwicklung genau zu beobachten. Spätestens im Kindergarten hat da auch die Lehrperson ein Auge darauf. Denn es gibt tatsächlich auch Kinder, die eine angeborene Störung der feinmotorischen Entwicklung haben. Egal wie viel Zeit man diesen Kindern gibt, sie werden immer deutlich schlechter als ihre Altersgenossen sein. Das kann zu viel Frust und einem mangelnden Selbstbewusstsein führen. Deshalb sollte man sich im Zweifelsfall professionelle Hilfe holen: sei es beim Kinderarzt oder der schulischen Heilpädagogin. Unterstützt man nämlich solche Kinder etwa mit Ergo- oder Psychomotoriktherapie, können sie wundervolle Fortschritte erzielen.
Selbstverständlich in ihrem ganz eigenen Tempo. Das Gras wächst bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht.