Es ist eine der ersten schwierigen Entscheidungen, die man für sein Kind treffen muss, respektive treffen darf: Die Wahl von Gotti und Götti. Ich zumindest habe mir schon in der Schwangerschaft den Kopf darüber zerbrochen und zum Schluss hoffentlich den richtigen Entscheid gefällt. Das war nicht leicht. Ich suchte eine liebevolle zuverlässige Person, die (zumindest hoffe ich so) meinem Kind für den Rest seines Lebens zur Seite stehen würde.
Die Tradition von Pateneltern kommt aus dem christlichen Glauben: Sie sind es, die für die religiöse Erziehung des Kindes zuständig sein sollen. Klar, viele Kinder werden heute nicht mehr getauft und viele Menschen sind atheistisch. Trotzdem hat sich die Tradition, dem Kind zwei weitere Bezugspersonen zur Seite zu stellen, hartnäckig gehalten.
Ich selbst hatte die besten Pateneltern. Beziehungsweise habe sie immer noch. Denn nach wie vor bin ich mit beiden in Kontakt und geniesse es sehr, mit ihnen Zeit zu verbringen. Und ganz besonders mein Gotti mag es immer noch, mich ein bisschen zu verwöhnen. Meine Eltern haben mit der Wahl also das geschafft, was ich mir insgeheim auch für meine Kinder wünsche: Sie haben mir mit der Taufe zwei weitere wundervolle Beziehungen mit auf meinen Lebensweg gegeben.
Als ich mir den Kopf darüber zerbrach, wer die zukünftigen Gottis und Göttis meiner Kinder sein sollten, stellte ich mir mehrere Fragen: Wer wäre bereit und könnte die Verantwortung tragen? Wer könnte meinem Kind wichtige Werte fürs Leben mitgeben? Und auch wer denn überhaupt Lust hätte, diese Verantwortung zu übernehmen?
Mir persönlich war es nie wichtig, dass das Kind möglichst teure Geschenke bekommen sollte. Klar wäre es schön, wenn das Kind etwas verwöhnt würde. Was mir hingegen wirklich wichtig war, dass die Pateneltern bereit waren, meinen Kindern das wichtigste Gut zu schenken: ihre Zeit.
Das Amt des Gotti/Götti ist ein grosses – oder zumindest eines, das mit grossen Erwartungen verbunden ist. Deshalb ist es sicher wichtig, als gefragte Person die Erwartungen der Eltern ans Amt genau abzuklären. Und noch wichtiger ist es, sich die Frage zu stellen, ob man diese Erwartungen auch wirklich erfüllen kann und möchte.
Aber was soll man tun, wenn das Gotti oder der Götti die Erwartungen doch nicht erfüllt? Eine Beziehung lässt sich mit einem «Amt» leider nicht forcieren. Besonders, wenn diese Beziehung anfänglich eher einseitig ist. Das Kind ist schliesslich noch klein und kann den Kontakt noch nicht bewusst suchen. Da hilft es, sich von seinen Erwartungen zu lösen. Ja, es ist eine schöne Vorstellung, dass das Kind ausserhalb der Kernfamilie eine enge Bindung zu jemandem aufbauen kann. Zu jemandem, der vielleicht sogar für das Kind da ist, wenn es die Eltern nicht können oder wollen. Ob das hingegen genau das Gotti oder der Götti sein werden, kann man unmöglich vorhersehen. Ich denke, man muss beiden Parteien, dem Kind und dem Gotti/Götti zutrauen, ihre eigenen Beziehungen aufzubauen. Ob das nun miteinander und mit jemand anderem ist, sei dahingestellt.