Familienalltag
Hello Family Bloggerin Nadja

Wie wir unseren Teenies Freiraum geben, ohne durchzudrehen

Teenies brauchen Freiraum. Und das mehr, als uns Eltern manchmal lieb ist. Doch wie viel ist zu viel? Wie viel ist zu wenig? Wie zeigt man Vertrauen, ohne sich komplett rauszunehmen? Und wie bleibt man nah, wenn sie sich entfernen?

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als mein Kind zum ersten Mal alleine in die Stadt fuhr. Es ist eine Viertelstunde Fahrt, die Stadt ist ihr vertraut, sie war gut vorbereitet, hatte eine Freundin dabei. Sie stellten eine Liste zusammen mit all den Läden, die sie abklappern wollten. Zwei sehr vernünftige Mädchen, die zum ersten Mal losziehen und dies in einem sicheren Rahmen. Aber in meinem Kopf fuhren sie direkt nach Bangkok.

Freiraum geben – das klingt vernünftig. Nach Vertrauen, Reife, gesunder Entwicklung. Aber wenn es konkret wird, fühlt es sich oft an wie Kontrollverlust. Und das ist es irgendwie auch. Denn mit jedem Schritt, den sie allein gehen, machen sie sich ein Stück unabhängiger von uns. Genau das ist aber auch das Ziel. Und genau das tut manchmal weh.

Teenies brauchen Freiraum, um sich selbst zu spüren. Um Dinge auszuprobieren, um Grenzen zu testen – auch die eigenen. Sie brauchen diese Momente, in denen sie unbeobachtet sind. Sie müssen Entscheidungen treffen, ohne dass wir danebenstehen und abnicken. Sie müssen Fehler machen, die sie dann selbst ausbaden.

Klingt natürlich einfacher, als es ist. Was sie aber sicher nicht brauchen, ist Kontrolle in Tarnkleidung. Kommentare im Stil von «Ich frag ja nur…» oder iPhone-Aufspür-Missionen und Standorte checken. Wenn das so nicht abgesprochen ist, ist die Chance gross, dass sie mit Rückzug, Schweigen oder Trotz reagieren. 

Aber Freiraum heisst wiederum auch nicht, dass wir uns nun komplett raushalten. Es heisst, dass wir präsent bleiben, aber ohne zu klammern. Ich weiss, was denn nun? Es ist diese goldene Mitte, die wir finden müssen. Dass wir zuhören, auch wenn sie gerade nicht reden wollen. Dass wir Vertrauen schenken, auch wenn wir innerlich im Kreis springen. Wir müssen uns bewusst sein, dass Nähe nicht nur durch körperliche Anwesenheit entsteht, sondern durch Verlässlichkeit, Respekt und echtes Interesse.

Also. Wie machen wir das konkret? Wir könnten zusammen mit dem Teenie aushandeln, was sie von uns brauchen. Was ist verhandelbar, was nicht? Was bedeutet Freiheit für sie, was bedeutet es für uns – und was heisst es Verantwortung zu übernehmen? Wenn Jugendliche wissen, woran sie sind, und wir auch Grenzen abstecken und mit ihnen etwas vereinbaren, fühlen sie sich sicherer. Auch wenn sie es selten zugeben.

Und dann müssen wir einfach aushalten. Aushalten, dass sie fluchen, wenn sie mit uns reden sollen. Aushalten, dass sie manchmal alles besser wissen. Aushalten, wenn sie alleine unterwegs sind und erst spät nach Hause kommen (Horror! Ich weiss!). Und aushalten, dass sie uns brauchen – aber es in diesem Alter eben anders zeigen.

Nähe generieren wir mit kleinen Ritualen. Mit gemeinsamen Abendessen. Einer Fahrt zu zweit. Und auch mit dem Satz: «Ich bin da, wenn du mich brauchst.»

Wir müssen uns bewusst sein, dass Freiraum kein Beziehungsabbruch bedeutet. Er ist mehr sowas wie ein Vertrauensvorschuss. Und dieser zeigt: Ich glaube an dich. Auch wenn du noch nicht alles weisst. Auch wenn du mich gerade anstrengend findest. Ich bleib da.

Wenn wir also Loslassen, ist das kein Abwenden, es ist ein leiser Beweis unserer bedingungslosen Liebe. Ein Zeichen von Vertrauen. Und ein grosser Schritt in Richtung Erwachsenwerden – für beide Seiten.

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