Hello Family Blogger Andreas

Stille – ein ungewohntes Geräusch

Seit rund 4 Monaten sind meine Kinder in der 1. Klasse bzw. im Kindergarten; seitdem hat sich in meinem Alltag einiges verändert. Der Stundenplan hat Einzug gehalten und taktet unseren Alltag. Das bildet zwar für alle einen sicheren Rahmen, begrenzt die gemeinsame Zeit mit den Kindern jedoch stark.

Am Morgen vor der Schule bzw. Kindergarten geht es bei uns zu wie in einem Bienenstock: Spätestens kurz vor 7 Uhr sind alle Familienmitglieder wach, und dann verlässt auch schon bald meine Frau das Haus. Anschliessend folgt mein Sohn und zum Abschluss ist meine Tochter dran. Dies passiert mehr oder weniger innerhalb einer Stunde und wird oft von heftigen Diskussionen über die Kleider («Nein, heute nicht die kurzen Hosen – es wird acht Grad!») und über das Znüni («Immer nur Äpfel, ALLE anderen haben Süsses dabei!») begleitet. Und dann plötzlich ist sie da: die Ruhe. 

Diese stille Zeit am Vormittag nutze ich inzwischen für Arbeiten im und ums Haus, die bisher hintenanstehen mussten. Zudem konnte ich das Pensum meiner Teilzeitarbeit erhöhen; neu arbeite ich zu 35 Prozent, vornehmlich von zu Hause aus. Sogar das eine oder andere Rezept fürs Mittagessen konnte ich inzwischen in Ruhe ausprobieren. Für das angestrebte Velofahren am Dienstagmorgen reicht es aufgrund der aufgestauten Pendenzen leider noch nicht, aber immerhin eine Joggingrunde hie und da liegt drin, das stimmt mich zuversichtlich. 

Auch mit den Kindern machte ich neue interessante Erfahrungen. Angefangen mit meiner Tochter, die am Morgen rund eine halbe Stunde später als mein Sohn das Haus verlässt. In dieser Zeit kann ich mich ihr voll widmen, und auch sie geniesst diese Momente, in denen sie Papi für einmal für sich alleine hat. 

Die Zeit mit den Kindern ist zwar durch den Schul- und Kindergarteneintritt begrenzter, aber mir scheint, die gemeinsame Zeit ist umso intensiver. So müssen beide Kinder, sobald sie zu Hause sind, ihre Erlebnisse vom Vormittag herauslassen, sei es in einem Redeschwall oder mit einem kräftigen Stoss, der die Eingangstüre schletzen lässt. Es gilt ganz viele Eindrücke und viel Neues zu verarbeiten und einzuordnen. Im schlimmsten Fall werden mir die neusten Schimpfwörter und Lumpenlieder vom Pausenplatz um die Ohren geschlagen. Da heisst es, Ruhe ins Chaos zu bringen und sicherzustellen, dass beide bekommen, was sie brauchen. 

Neu für die Kinder und auch für mich ist das vermehrte Abmachen zum Spielen mit den Klassenkameradinnen und -kameraden. Hier werde ich mit dem Thema «Loslassen» konfrontiert, was auch für mich als Papi nicht immer ganz einfach ist. Während ich bis vor einigen Wochen den Nachmittag zusammen mit meinen Kindern verbringen konnte, steht heute das Spielen mit Freunden im Vordergrund. Dieser Prozess gehört zum Heranwachsen dazu, es kann aber nicht sein, dass wir unser Programm immer vom Klingeln an der Haustüre abhängig machen. So heisst es auch hier, flexibel und kompromissbereit sein – und zwar für beide Seiten. Bisher hats ganz gut geklappt. 

Am Abend, wenn meine Frau heimkommt, wirds nochmals richtig laut und hektisch, denn alle wollen ihr vom Tag erzählen und noch möglichst viel Zeit mit ihr verbringen. So wirds oft nach 20 Uhr, bis das Haus einigermassen zur Ruhe zurückkehrt – bis zum nächsten Morgen, wenn das Ganze wieder von vorne losgeht. Und dann ist sie plötzlich wieder da, diese ungewohnte Stille ...

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