Die Windel: Ein langersehnter Abschied

Neben «schläft das Kind schon durch?» und «bekommt das Baby Zähne?» steht «ist das Kind schon trocken?» auf der Hitliste der von neugierigen Aussenstehenden meistgestellten (und nervigsten) Fragen ziemlich hoch oben. Mitunter kann sie Eltern ganz schön unter Druck setzen.

Kein Wunder. Kriegt man doch von Bekannten und Verwandten oft genug zu hören, dass Kind xy schon sooo früh keine Windeln mehr gebraucht hat. Die eigenen Eltern erzählen dir, dass du selber bereits mit zwölf Monaten trocken gewesen bist. Dass sie sich daran erinnern können, wundert mich immer wieder. Mir sind gewisse Erinnerungen über die Meilensteine meiner Kinder jetzt schon abhandengekommen. Stets muss ich in meiner App spicken, wo ich alles festhalte.

Da hörst du also solche Geschichten und gleichzeitig weigert sich dein eigenes, bald dreijähriges Kind, auf seine geliebte Windel zu verzichten. Ist das schlimm? Ich finde nicht! Eltern dürfen sich keinesfalls stressen lassen. Denn wie bei so vielen Dingen im Familienleben braucht es auch hier ganz einfach: Geduld. Jedes Kind ist anders. So sind in der Regel Mädchen früher dran als Jungs. Und manchmal geht das Trockenwerden sogar ganz von alleine. Ohne grosses Zutun der Eltern.

Meiner Meinung nach darf die Sache aber ruhig spielerisch angegangen werden. So kaufte ich meiner Tochter beispielsweise ein Büchlein zum Thema, das wir, wann immer ihr danach war, zusammen anschauten. Im Sommer liess ich sie jeweils nackig auf dem Balkon rumlaufen und stellte ihr ein Töpfchen neben das Planschbecken. Damals ging eigentlich so fast alles daneben.

Einmal musste sogar der kleine Teppich auf dem Balkon daran glauben. Als ich sie fragte, weshalb sie nicht aufs Töpfchen ginge und was ich nun mit dem Teppich machen solle, meinte sie trocken: «putzen». Wo sie Recht hatte, hatte sie Recht. Nun ja.

Die Vorstellung, mit unserer Tochter unterwegs auf eine – meist unappetitliche – Toilette gehen zu müssen, hielt mich dann auch davon ab, die Windelabgewöhnung zu forcieren. So liess ich ihr einfach die Zeit, die sie brauchte. Und siehe da: Plötzlich war sie der Windel überdrüssig. Quasi von heute auf morgen. Zuerst war sie tagsüber trocken, ein paar Wochen später auch nachts.

Wir gingen daraufhin zusammen in ein Kleidergeschäft, wo sie sich mit strahlenden Augen ihre ersten, eigenen Unterhöschen aussuchen durfte. Und ob ihrs glaubt oder nicht: Ich war eine richtig stolze Mama. Wie das wohl sein wird, wenn wir zusammen ihren ersten BH kaufen gehen? Zum Glück bleibt bis dahin noch ein wenig Zeit.

Weitere Blog-Beiträge von Isabelle

Werbung