Und plötzlich sah ich meine Freunde fast nie mehr ...

Was soll sich denn schon ändern, wenn man einmal Kinder hat? Alles.

Das wusste ich ja grundsätzlich schon. Aber für ein regelmässiges Treffen mit der Jogginggruppe oder ein Feierabendbier mit den alten Freunden sollte ich ja dann schon immer noch irgendwie Zeit finden. Ich hatte zwar einen Kollegen, den man, als er Vater wurde, nicht mehr so oft sah, aber bei mir würde das sicher gaaaaanz anders sein. Dachte ich zumindest.

Falsch gedacht. Mama bleibt mit Baby zu Hause, Papa geht schon bald wieder mit den Kollegen weg. Es gibt anscheinend Paare, für die das so o.k. ist, aber ich hatte dieses Bedürfnis ehrlich gesagt gar nicht. Ich wollte für meine kleine Familie da sein und die Zeit mit Baby geniessen. Nach dem Vaterschaftsurlaub erst recht. Meine Freunde und Kollegen mussten also erstmal etwas hintenanstehen. Anstatt einmal oder sogar mehrmals pro Woche sah man sich nur noch einmal pro Monat. Wenn überhaupt. Schlimm war das allerdings nicht. Sie zeigten Verständnis. Ging es einigen ja genau gleich.

Vieles verändert sich – auch der Freundeskreis

Doch auch nach mehreren Monaten sah ich meine Freunde viel weniger als früher. Die permanente Müdigkeit schlug auf die Motivation, abends noch wegzugehen, auch wenn es zeitlich doch ab und zu möglich gewesen wäre. Kollegen, die selber Kinder haben, sah ich dafür plötzlich in ganz anderen Umfeldern als sonst. Anstatt in der Bar trifft man sich nun halt auf dem Spielplatz oder beim Kindergeburtstag. 

Nach etwas mehr als drei Jahren als Vater habe ich festgestellt, dass sich nicht nur ändert, wo und wie oft man seine Freunde sieht, nein, auch der Freundeskreis ändert sich. Gewisse Personen verliert man aus den Augen. Bei den einen ist das nicht wirklich schlimm, es wäre wohl auch ohne Kinder passiert – die neuen Prioritäten im Leben können diesen Prozess aber beschleunigen. Andere sieht man wegen den Kindern zwar weniger oft als früher; die Zeit, die man dann aber zusammen verbringt, ist dafür umso besser.

Und dann gibt es noch Freundschaften, für die man aktiv etwas tun muss. Offene Gespräche darüber, warum man denn weniger Zeit hat als vorher helfen. Es ist durchaus nicht allen kinderlosen Personen bewusst, wie sehr sich das Leben ändert.

Wie so oft, sprecht offen und ehrlich miteinander und habt auch etwas Geduld. Irgendwann haben alle wieder etwas mehr Zeit, und dann klappt es auch wieder mit der Jogginggruppe.

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