Gefahren im Internet

Vor einem Jahr waren Internet und Social Media bei uns noch kein Thema. Damals schrieb ich einen Artikel darüber aus der noch unbedarften Sicht einer Mutter mit einem knapp zehnjährigen Kind, das sich dafür noch nicht interessierte und keine Vorstellung davon hatte. Heute stehen die Dinge anders.

Sie ist jetzt fast elf. Und auf Instagram. Und sie ergoogelt sich Informationen für die Schule. Und sie whatsappt. Wie wild. In Chatgruppen. Und dachte ich bis vor kurzem noch, dass ich so coolnessfaktortechnisch einen guten Lauf habe, weil ich, auch wenn die Kinder grösser sind, mich nach wie vor in der Musikszene total gut auskenne, bringt mir mein fundiertes musikalisches Wissen nun rein gar nichts, denn im Kinderzimmer hängen Bravo-Poster von, mir natürlich völlig unbekannten, Youtubern. Das Kind realisiert selbst – beeindruckend gut geschnittene – Videos und zeigt mir, wie sie Musikvideos auf musical.ly dreht.

Es machte einfach ZACK und da standen wir. Mitten in einer neuen Ära. Mit einem plötzlich so gross wirkenden Kind, das aber doch noch viel zu klein dafür ist.

Wir könnten natürlich verbieten und sperren und uns jetzt erstmal quer stellen, bis sie dafür alt genug ist. Also so etwa 29 oder 30. Mindestens. Aber Verbote bringen nichts. Also versuchen wir es mit einer sozialnetzwerkschen Aufklärung. In einigen vergangenen, aktuellen und auch zukünftigen Gesprächen versuchen wir, dem Kind nahe zu bringen, dass erstmal alles, was sie postet, für immer da sein wird. Auch war mir wichtig, dass sie zwar – aus Freude am Fotografieren – auf Instagram ihre Bilder hochladen, ihr Gesicht aber nicht zu erkennen sein darf. Weil ich eben noch immer finde, dass sie zu jung dafür ist. Und sie hält sich daran.

Ich bin etwas im Zwiespalt. Die rasante Entwicklung hat mich überrumpelt. Und doch ist das der Lauf der Zeit. Auch staune ich immer wieder wie das Kind flink an Fotobearbeitungsprogramme ran geht und innert Kürze Videos schneidet oder sich zielsicher Informationen besorgt.

Ich habe viele Horrorgeschichten gehört von Kindern im Internet. So muss unser Kind zum Beispiel jede Social-Media-Anfrage von uns Eltern abgsegnen lassen. Noch kommuniziert sie ausschliesslich im Bekanntenkreis. Und wir kontrollieren – in ihrer Anwesenheit – regelmässig, was sich so tut.

Lässt man das Kind ins Netz, so lässt man es raus in die ganze Welt. In die gute, spannende, lehrreiche, aber auch in die unschöne, wüste und fremde. Das wirkt, wenn man so darüber nachdenkt, nicht gerade beruhigend.

War das an mich gerichtete Briefing damals als Kind relativ schnell abgehakt – «geh nie mit Fremden mit. Punkt.» – so gibt es heute einige Ratschläge mehr, die wir unseren Kindern auf den Weg geben sollten. Wir müssen dem Kind die positiven, aber auch die negativen Seiten des wilden Internets aufzeigen. Und ein Vertrauensverhältnis beibehalten, so dass es bei Unklarheiten oder schlechtem Gefühl IMMER zu uns kommt. Dass es sich bewusst ist, welche Gefahren lauern und es sich nicht unkontrolliert und völlig frei dem ungestümen Strudel der digitalen Welt hingibt. Und haben wir ausführlich informiert und aufgeklärt, ist es letztendlich die Eigenverantwortung, an die wir appellieren. Und dann müssen wir vertrauen. Und loslassen. Wenigstens ein ganz klein wenig.

Weitere Blogberichte von Nadja

Werbung