Bin ich eine gute Mutter?

Ich habe mal wieder geschimpft. Das eine Kind wollte sich partout nicht wickeln, geschweige denn sich seinen Body anziehen oder sich die Zähne putzen lassen. Das andere Kind hingegen zog sich morgens um acht bereits zum dritten Mal um.

Entweder drückte die Strumpfhosennaht, der Pulli hatte die falsche Farbe oder das Röckli passte schlichtweg nicht zur Tageslaune. Kindergebrüll inklusive. 

Die Wohnung versank im Chaos. Die Zeit drängte. Vor meinem geistigen Auge sah ich uns im Eilzugtempo durch die Strassen zu den Grosseltern und dann in die Spielgruppe brausen. Schon wieder waren wir zu spät dran. Und die Kinder hatten noch nicht mal gefrühstückt. Also noch kurz an die nahegelegene Tankstelle, Brötchen kaufen für die Raubtierfütterung on the way.

Eine halbe Stunde später war der Spuk vorüber. Ich sass alleine im Auto und fuhr zurück in mein Homeoffice. Morgens um halb neun hatte mein Adrenalinspiegel bereits seinen Zenit erreicht. Meine Ohren quittierten die plötzliche Ruhe mit einem Rauschen. In meinem Kopf begann sich erneut das Gedankenkarussell zu drehen und mit ihm meldete sich prompt auch das schlechte Gewissen.

Bin ich eine gute Mutter? Ich hätte nicht schimpfen dürfen! Hätte liebevoller auf die Kinder eingehen müssen! Warum bin ich bloss nicht früher aufgestanden und hab alles vorbereitet und noch aufgeräumt? Wieso kann ich nicht einfach mal gelassen reagieren? Andere Mütter machen das bestimmt viel besser! Die lächeln solche Alltagshürden einfach weg und schaffen es auch in stressigen Situationen, mit ihren Kindern Glück zu finden.

Ich glaube fast alle Mütter beschleicht ab und an das Gefühl, ein schlechtes Exemplar ihrer Spezies zu sein. Wir wären gerne Supermütter mit Oktopusarmen, lassen uns von scheinbar solchen beeindrucken, vergleichen uns mit ihnen. Und fühlen uns meist niedergeschlagen sowie weit entfernt von diesem imaginären Gebilde. Perfektionistische Ansprüche an uns selbst und der gesellschaftliche Druck machen das Ganze nicht einfacher.

Natürlich gehören Gedankenkarussell und Selbstreflektion zum mütterlichen Alltag dazu. Der Umgang mit unseren Kindern darf und soll hinterfragt und verändert sowie verbessert werden. Dennoch versuche ich immer wieder, nicht zu hart mit mir ins Gericht zu gehen. Kinder zu haben, ist zwar das Schönste auf der Welt, aber nicht immer ein Zuckerschleck.

Wir dürfen hin und wieder schwache Nerven haben und überfordert sein. Wir dürfen unvollkommen sein und uns zugestehen, dass auch wir nur Menschen sind. Ich glaube, eine gute Mutter zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie stets engelshaft mit ihren Kindern spricht, immer Ruhe bewahrt, 100 Prozent ihrer Zeit den Minis widmet, die Wohnung blitzeblank putzt, das Essen täglich frisch und fancy zubereitet sowie durchdachte Bastelnachmittage und Kindergeburtstage schmeisst.

Was eine gute Mutter ausmacht, das will ich mir hier nicht anmassen zu definieren. Das ist schlussendlich auch sehr subjektiv. Aber ich möchte euch einen Satz mit auf den Weg geben, den ich kürzlich gelesen habe und den ich mir stets vor Augen halte:

«Be who you needed when you were younger» (Brad Montague)

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