Alleinerziehend: Das ist wichtig

Es gibt viele Gründe, warum aus einer «traditionellen Zweielternfamilie» eine sogenannte Einelternfamilie wird. Die Zahl der Alleinerziehenden steigt, doch noch immer stehen viele dieser Mütter und Väter vor besonderen Herausforderungen.

Immer mehr Eltern erziehen ihr Kind alleine

Dass Kinder hauptsächlich bei nur einem Elternteil aufwachsen, ist keine Seltenheit mehr. 1970 waren gerade mal 7 Prozent der Schweizer Eltern alleinlebende Mütter und Väter, in der Zeit von 2013 bis 2015 waren es laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik bereits 14,4 Prozent, die ihr Kind oder ihre Kinder alleine grosszogen. Hinzu kommen sogenannte Fortsetzungsfamilien. Dazu zählen Ehe- und Konsensualpaare, bei denen alleinerziehende Eltern einen neuen Partner gefunden haben und mit ihm oder ihr zusammenleben.

Wer trägt die Obhut?

Ausser in dem Fall, dass ein Partner verstorben ist oder eine Gefährdung für das Kind darstellt, sind Mutter und Vater auch nach der Trennung weiterhin beide gemeinsam Eltern ihres Sohnes oder ihrer Tochter. Sie teilen sich die elterliche Sorge. Wenn die Eltern nicht mehr zusammenwohnen, gibt es zwei Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Alleinige Obhut bedeutet, dass das Kind hauptsächlich bei einer Elternperson, der alleinerziehenden, wohnt und dort seinen Lebensmittelpunkt hat. Diese Elternperson übernimmt alle Aufgaben, die mit der Erziehung und der Betreuung des Kindes einhergehen. Von geteilter oder alternierender Obhut spricht man, wenn das Kind bei beiden Eltern lebt. Es wohnt also abwechselnd in der einen und in der anderen Wohnung. Die Eltern kümmern sich gemeinsam um das Kind und treffen alle Entscheidungen, die es betreffen, zusammen. Dieses Modell benötigt genaue Absprachen.

Aufgaben und Herausforderungen von Alleinerziehenden

In den meisten Fällen hat ein Elternteil die alleinige Obhut. Oft ist das die Mutter, aber es gibt auch alleinerziehende Väter. Die alleinerziehende Elternperson übernimmt alle Aufgaben, die sich ein Paar normalerweise teilt. Dazu gehören Geld verdienen, den Haushalt führen und das Kind betreuen. Für Alleinerziehende kann es besonders schwierig sein, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Viele treten beruflich kürzer und erleiden dadurch Einkommenseinbussen. Gerade nach einer anstrengenden Scheidung haben einige alleinerziehende Eltern Schuldgefühle. Sie glauben, ihrem Kind nicht gerecht zu werden, weil sie wegen der Arbeit nicht genug Zeit für es haben. Oftmals bleibt ihnen auch kaum Zeit für sich selbst – die eigene Freizeit muss zugunsten der kleinen Familie hinten anstehen.

Die Rolle der anderen Elternperson

Mitunter ist die alleinerziehende Elternperson tatsächlich auf sich alleine gestellt – zum Beispiel wenn die andere verstorben ist oder das Wohl des Kindes gefährdet. Normalerweise bleibt die andere Elternperson aber im Leben des Kindes präsent und kann der oder dem Alleinerziehenden einiges abnehmen. Er oder sie soll auch weiterhin über wichtige Ereignisse im Leben des Kindes informiert und bei wichtigen Entscheidungen miteinbezogen werden. Auch wenn ihnen nach einer Trennung vielleicht anders zumute ist – zum Wohl des Kindes sollten sich beide Eltern kooperativ verhalten.

Normalerweise unterstützt die getrennt lebende Elternperson die oder den Alleinerziehende/n finanziell. Diese Unterhaltsbeiträge, auch Alimente genannt, muss er oder sie aber nur zahlen, wenn es die finanzielle Situation zulässt. Sowohl das Kind als auch die andere Elternperson haben ein Anrecht darauf, sich regelmässig zu sehen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Besuchsrecht. Es darf nur verweigert werden, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.

Beratungsstellen helfen bei Problemen und Sorgen

Alleinerziehende Mütter und Väter haben es nicht immer einfach. Sie müssen ihr Kind nicht nur versorgen, sondern schultern auch eine Menge Verantwortung. Sie sind der erste Ansprechpartner, wenn es Probleme im Kindergarten oder in der Schule gibt und müssen sich um alle Behördenangelegenheiten kümmern. Auch geht nicht jede Trennung friedlich vonstatten. Manchmal gibt es Streit über die Unterhaltszahlungen oder das Besuchsrecht. Dies kann Geldbeutel und Psyche belasten. Doch Sie sind mit diesen Problemen nicht alleine: Vielen Alleinerziehenden geht es genauso. Zögern Sie nicht, Beratungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, die Sie dabei unterstützen, Ihre Rechte durchzusetzen. Dazu gehören zum Beispiel der Schweizerische Verband alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV) oder örtliche Angebote.

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