Hausmann/Vollzeit-Papi zu sein, bleibt eine Rarität

Seit mehr als einem Jahr bin ich nun Hausmann, und ich bin mit meiner Rolle in unserem Umfeld weiterhin ein Exot. Viele können es auch immer noch nicht ganz glauben, dass ich freiwillig zu Hause und Vollzeit-Papi bin. Das Modell Hausmann und Vollzeit-Papi hat also sicher noch Potenzial.

Mit dem Eintritt der Kinder in den Kindergarten und die Primarschule habe ich an den Elternabenden neue Eltern kennengelernt. Bei der Vorstellungsrunde gab es schon das eine oder andere Staunen, dass primär ich zuhause bin. In den anschliessenden Gesprächen erntete ich jeweils Bewunderung seitens der Männer und Begeisterung seitens der Frauen. Mit schwingt auch immer die Frage, wie freiwillig dieser Rollentausch war. Auf diesen Punkt werde ich immer wieder angesprochen – sei es in der Nachbarschaft oder sogar von Verwandten: Man scheint (fast) nicht glauben zu können, dass wir uns nach fünf Jahren traditioneller Rolllenverteilung zu einem solchen Schritt entschieden haben. Dass wir uns diese Option von Anfang an offen gelassen haben und nicht ein Jobverlust meinerseits dazu geführt hat, muss ich dann erst erklären. Schliesslich finden aber alle diesen Entscheid toll und mutig. 

Bei unserer direkten Nachbarschaft (durchwegs ältere Semester) löst meine Rolle als Hausmann und Vollzeit-Papi immer wieder Fragen aus wie: «Nun bist du den ganzen Tag zu Hause und schaust auf die Kinder. Und geht das gut?» Oder: «Und deine Frau arbeitet 100 Prozent! Ist das kein Problem?». Da ist das traditionelle Rollenbild noch sehr stark verankert. Zudem werde ich auch immer wieder gefragt, wie es denn so mit dem Haushalt läuft. Bei meiner Frau war das früher nie Thema, es war selbstverständlich, dass sie das im Griff hat. Auch bekomme ich aus dem Umfeld mehr Unterstützungsangebote als sie dazumal, als ob man es mir nicht 100 Prozent zutraut. 

Obwohl Väter mit Kindern auf dem Spielplatz oder beim Einkaufen auch unter der Woche heute zum normalen Bild gehören und gesellschaftlich akzeptiert sind: Der Fakt, dass ich als Mann mich «gegen» die Karriere und für die Familie entschieden habe, macht mich immer noch zum Exoten.

Ein ausgeglicheneres Familienmodell, in dem sich Frau und Mann die Familien- und Erwerbsarbeit teilen, hat in der Gesellschaft mittlerweile eine grössere Akzeptanz. Trotzdem habe ich bis jetzt in meiner direkten Umgebung noch kein männliches Pendant gefunden, andere Teilzeit-Papis arbeiten mindestens 60, meist 80 Prozent. Immerhin ist der Papi-Tag heute gesellschaftsfähig.

Übrigens: Bis jetzt wurden meine Kinder (5 und 7 Jahre alt) von ihren Freunden und Freundinnen noch nie gefragt, warum ich anstelle vom Mami daheim bin. Vielleicht wächst hier schon die Generation heran, für die dieses Modell zum Alltag gehört. 

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